Mach' mal langsam...

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Mach' mal langsam... | story.one

Ich bin rastlos und ruhelos. Für mich nicht unangenehm, für mein Umfeld hingegen schon - mal mehr, mal weniger.

Es ist Samstag und ich bin bereits um 7 Uhr putzmunter und gleich auf Vollgas. Umtriebig und voller Tatendrang. Meinen Kaffee genieße ich noch, aber dann geht's schon los. Manchmal frage ich mich selber, wieso ich keine Ruhe geben kann. Dabei tue ich schon so viel, das mich "oba vom Gas" kommen lässt.

Ich habe im Laufe der Zeit festgestellt, dass ich bei allem was ich tue, ziemlich schnell bin: Beim Essen, beim Sprechen, beim Gehen, beim Arbeiten. Nur beim Zuhören nicht, aber das liegt ja nicht an mir. Da sind dann einfach die anderen zu langsam...

Das heißt jetzt nicht, dass ich deswegen viel mehr Fehler als andere mache. Nein gar nicht. Ich erledige Arbeiten einfach in einem Affentempo. Und dabei überhole ich mich selber links und rechts. Weil links alleine nicht reicht...

Dabei habe ich mich heute glatt selber erwischt, dass mir etwas auf Anhieb so nicht rasch genug gelang. Mein Denken war blockiert und dadurch mein Handeln. Und das löste ein ungutes Gefühl bei mir aus.

Wenn erst die "Denkerin" einmal auf Touren kommt, lässt sie sich auch nur schwer wieder abstellen. Die nimmt sich dann so richtig wichtig. Woher sie das bloß hat???

Das Gedankenkarussell ging in die kurzfristige Endlosschleife und machte mir gehörig zu schaffen. Ich bin ausgebildete Mentaltrainerin und ich weiß, was es bedeutet, wenn die Gedanken den Volley mit uns machen.

Und jetzt war ich in der gleichen Situation wie meine Coaching-Klienten?

Ich rief meine Freundin an und fragte sie, was ich machen soll. Die Verzweiflung in meiner Stimme war nicht zu überhören. Sie half mir, mein Verhalten zu reflektieren und machte mir bewusst, dass ich SCHON WIEDER .... du ahnst es schon.

Was hat mir geholfen? Die Überholspur (und somit ich mich) zwang mich bewusst einen Gang hinunter zu schalten. Das Affentempo drosselte ich zu einem erträglichen Maß, mit dem ich auch noch glücklich sein konnte. Vieles geht viel leichter, wenn wir es vielleicht gut sein lassen. Es liegt in meinem Naturell, mir selber im Weg zu stehen. Und es liegt an mir, mich selber am Schopf zu packen und wieder aus dem Sumpf hinaus zu ziehen. Das geht. Einfach so. Klappt es jedes Mal gut? Nein, denn mein Leben auf der Überholspur ist gelegentlich einsam. Ich meine damit nicht einsam im Sinne von "Ich fühle mich allein gelassen", sondern einsam, weil es nicht so viele Menschen gibt, die sich ebenfalls auf der Überholspur befinden. Die haben einfach den Dreh schon raus und leben diese Achtsamkeit, die vielerorts gepredigt wird. Dieses bewusste im HIER und JETZT sein. Über das Atmen schaffe ich das auch.

Meine Denkerin schalte ich mittlerweile gekonnt ab und das tut mir extrem gut. Mein Leben ist ein Genuss, seit ich gecheckt habe, dass ich, für mich gefühlt langsamer, schneller bin und mein Umfeld lebt wesentlich entspannter mit mir. Da klopfe ich mir doch glatt selber auf die Schulter und bin einfach mal stolz!

© Begegnungen_mit_Mehrwert 21.09.2019