Die gute alte Holzhütte.

Ich starte meinen alten Saab, er springt wie immer nicht an. Ich verzeihe dem Vehikel und bin nicht darüber verärgert, ich habe es im Innersten vermutet und es ist jedes Jahr dasselbe Prozedere. Er parkt jetzt wieder seit einem Jahr in meinem alten Schuppen. Ich benutze ihn nur, wenn ich zu meiner Holzhütte fahre. Die Hütte miete ich jedes Jahr für vier Wochen im Winter. Sie liegt am Katschberg und ist zu dieser Jahreszeit nur auf eigene Gefahr bewohnbar und – noch wichtiger – „befahrbar“. Es hat mich viel Überzeugungskraft gekostet, den Vermieter zu überreden, und ich musste eine Erklärung unterschreiben, dass ich auf eigenes Risiko handle.

Ich packe meine Schneeketten neben den üblichen Proviant ins Auto und begebe mich auf den Weg in die endlose Ruhe. Ein schmaler, vom Schnee so recht und schlecht geräumter Weg führt zu meinem Ziel: Sie steht allein und ist für Schifahrer nicht erschlossen. Ich öffne die Holztüre, ich habe meine helle Freude in diesem Moment. Die Hütte besteht aus nur einem Raum zum Wohnen und Kochen. Eine schmale Holztreppe führt in das Obergeschoß, zur Schlafkammer direkt unter dem Dach. Ein kleines Fenster in der Mitte sorgt im Sommer für frische Luft, im Winter spielen hier die Eisblumen verrückt. Ich heize den Kochofen ein.

Ich befreie den Weg vor der Hütte zum kleinen Nebengebäude, das ebenfalls aus Holz gebaut ist. Hier finde ich meine Kanister mit Wasser – ja, eingefroren, ich muss das Wasser jeden Tag am Ofen auftauen. Ich stehe bis zu den Knien im Schnee. Mein Blick wird durch einen rot-gelben Sonnenuntergang verwöhnt. Es ist Jänner, das alte Jahr schwingt noch in meinen Gedanken nach, und ich atme die klare Bergluft in meine Lungen. Dieser Moment – ich wünsche mir Unendlichkeit.

Ich stapfe zurück , der kleine Raum hat sich in der Zwischenzeit behaglich erwärmt. Ich verstaue meine mitgebrachten Vorräte in den kleinen Küchenschränken über der Kochstelle und meine Weinflaschen frostgesichert in der Außenhütte, nur eine Flasche Behike Sankt Laurent bleibt in der Hütte. Kein Strom, kein Kühlschrank, alle Geräte, deren Name mit „i-“ beginnt, sind zwar aufgeladen und funktionieren noch ein paar Stunden, aber danach sind sie wertlos. Ich verwende die große gusseiserne Pfanne für meine ersten Ham & Eggs – iPan, schießt es durch meinem Kopf, sollte ich mir diesen Begriff vielleicht schützen lassen? Ich verwerfe den Plan umgehend und kopfschüttelnd. Ich muss meine Marketing-Gehirnhälfte ausschalten, die bringt mich nur auf blöde Ideen. Wobei ...? Nein!

Ich öffne meine Flasche Behike Sankt Laurent und begebe mich damit in das Schlaf-Obergeschoß. Befreie das Fenster von den Eisblumen und stecke meinen Kopf durch die Fensteröffnung – viel mehr hat da auch nicht Platz. Zwischendurch einen Schluck vom Elixier. Die Quintessenz eines Jahres, das 5. Element für jeden Winzer. Er, der Sankt Laurent, begleitet mich durch die erste Nacht in der alten Holzhütte.

© Behike