Der Ort, an dem ich mich finde

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Der Ort, an dem ich mich finde | story.one

Mal wieder raus gehen. Atmen. Einfach atmen. Barfuß gehen. Aufwärts. Bergab. Hören, wie viele Vögel singen, genießen.

Das lehrt mich diese Zeit. Zu merken, was mir gut tut. Dass die Natur ein wunderbarer Ort ist, um endlich wieder bei sich anzukommen und Frieden zu finden. Die Augen zu schließen und zu hören, wie schön laut die Vögel auf einmal sind, wie Bienen brummen und wie den ganzen Tag ein Kuckuck vom Baum auf dem Nachbargrundstück ruft. Nebenan im Bach die Frösche, die abends ein ganzes Konzert quaken. Am Nachmittag im Wald. Das ist der Ort, an dem ich mich finde. An dem mein inneres Kind und mein innerer Erwachsener Mal nicht streiten, sondern ganz friedlich auf dem Hügel zwischen Bergen, zwischen Wäldern und in mir sitzen. Und wir drei sind uns einig, dass es das hier ist, was wir wollen. Was wir brauchen. Was uns glücklich macht. Frieden beginnt hier. Jetzt. In mir. Niemand kann ihn mir nehmen, weil niemand weiß, dass er hier ist. Nur ich. Nur wir drei.

Ich hätte nicht gedacht, was Wiesen, Wälder und Berge bewirken können. Ich habe immer gedacht, um mich wirklich frei zu fühlen, muss ich am Meer sein. Nur dort kann ich abschalten, nur dort geht es mir wirklich gut. Aber es ist viel leichter. Ich muss nur meine Augen schließen und lauschen. Und schon ist da eine riesige Welt, in der in sitze, so klein und trotzdem bin ich alles. Ich weiß, dass ich jederzeit Frieden finden kann, wenn ich mich nur dafür entscheide. Das mag im Alltag unglaublich schwer und kaum zu erreichen sein. Aber diese Zeit gibt mir Hoffnung. Sie gibt mir den Glauben zurück, dass ich nirgends sein muss, um mich ganz zu fühlen, dass mir nicht nur das Meer und die Weite, sondern auch die Erde, kleine Kieselsteine am Wegesrand oder bunte Schmetterlinge, die an meinem Gesicht vorbeiflattern, zeigen können, wie friedlich die Welt ist. Wenn man ihr nur zuhört.

So bleibe ich und lebe, ohne Zeit und ohne Grenze. Ich sehe zu, wie die Sonne untergeht, wie sie den Tag verabschiedet mit dem tiefsten Vertrauen darauf, morgen wieder aufzugehen. Und zu wachsen. Ich schließe die Augen und tue es ihr gleich.

© Benita Nold