Die Ebenhäusler aus Hintersee

Die Ebenhäusler aus Hintersee

Nach dem Verlust des Ebenbauernhofes im Jahre 1900 lebten meine Urgroßeltern mit ihren 12 Kindern in Troadkästen. Dort wo heute das Ebenhäusl steht.

Die hölzernen Troadkästen waren notdürftig hergerichtet und eingedeckt. So kam es, dass bei einem gewaltigen Herbststurm das Dach stark beschädigt wurde. Die Stallfenster, die nur aus Brettern bestanden, fielen heraus. Eine Kuh hatte sich so stark verkühlt und ist einige Tage später gestorben. Als alle Schäden behoben waren hatte die Familie wieder hohe Schulden. Mit der letzten Kuh kämpften sie ums Überleben. Wie sollten sie diesen Winter überstehen? Mit sehr viel hungern und vollstem Vertrauen auf Gott haben sie überlebt.

Ein Halbbruder meiner Urgroßmutter lebte in Oberwang und half der Familie immer wieder mit Geld aus. Im Frühjahr nach der Sturmkatastrophe kam dieser und forderte sein geliehenes Geld oder die letzte Kuh.

Geld war natürlich keines vorhanden! Als er sah, dass die Familie ohne Kuh verhungert wäre, gab er seinem Gewissen einen Ruck und statt der Kuh nahm er den ältesten Sohn Rupert “Riapei“ und den 9jährigen Sebastian “Wastl“ mit zur Arbeit auf seinen großen Bauernhof. Da gab es kein Erbarmen, die Buben mussten die Schulden abarbeiten. Am Tag schufteten sie im Stall und auf den Feldern. Ab 3 Uhr Früh mussten sie jeden Tag die Ochsen treiben.

Wastl durfte in die Schule gehen, schlief aber wegen der vielen Arbeit oft während des Unterrichts ein und der Lehrer beschwerte sich sodann beim Bauern.

Vier Jahre verbrachten Riapei und Wastl am Hof ihres Onkels. Es waren keine schönen Kinder- und Jugendjahre, aber auch diese gingen vorbei.

Wie bewältigen die Kinder vom Ebenhäusl ihr Leben!

Rupert "Riapei" 1881 -1957

Riapei kam mit 23 Jahren auf einen stattlichen Gutshof nach Plainfeld. Tag und Nacht war er im Stall, geschlafen hat er im Futtertrog oder bei den kalbenden Kühen. Im Sommer hütete er die Kälber auf dem Königsberg in Hintersee. Neben schmaler Kost und der unwürdigen Unterkunft gab es nur einmal im Jahr einen kleinen Lohn für die mühevolle Arbeit. Riapei hat sich selber nie etwas gegönnt, alles Geld wurde gespart. Sein Traum war ein eigener Bauernhof. Als er seinem Ziel schon sehr nahe war, schlug das Schicksal abermals zu. Bei der Währungsreform im Jahre 1924

Grund: Wirtschaftskrise -- Hyperinflation

10.000 Kronen : 1 Schilling

verlor er sein ganzes Erspartes, kaufen konnte er sich nur noch ein Bett und einen Laib Brot. Für den fleißigen Riapei brach eine Welt zusammen. Er musste am Gutshof bleiben und die schlechten Lebensbedingungen aushalten, diese sorgten wahrscheinlich dafür, dass er Blut erbrach. Erst jetzt holte ihn sein Vater nach Hause.

Riapei wurde gesund und arbeitete fortan als Aushilfe bei den Bundesforsten und als Besenbinder.

Rupert hat nie geheiratet. Er lebte einfach und zufrieden in „seinem“ Stüberl oberhalb der Küche im Ebenhäusl bis zu seinem Lebensende am 29.3.1957.

© Bienenoma