Die Ebenhäuslerin meine Urgroßmutter

Elisabeth Wörndl, geb. Leitner 1860 - 1918

Meine Uroma die Ebenhäuslerin ist am 29.3.1918 mit 58 Jahren nach einem Leben, welches von Sorgen, Trauer, Not und Krankheit geprägt war, für immer von uns gegangen.

Mein Uropa, 68 Jahre, lebte seit einiger Zeit schon alleine in einem kleinen Zuhaus. Als seine Frau verstorben ist, holten die Kinder ihren Vater. Dieser sagte nur: „Mei Leitl hast ah woas mitgmacht“. Späte Einsicht?

Mitgemacht hat meine Uroma wirklich viel:

Mit 18 Jahren heiratete sie und wurde Ebenbäuerin in Hintersee.

Sie schenkte 17 Kindern das Leben, fünf starben bei der Geburt oder als Kleinkind.

1900 musste sie mit 12 Kindern den Ebenbauernhof wegen der hohen Schulden verlassen. Die neue Unterkunft bestand aus zwei alten Troadkästen, die notdürftig hergerichtet waren, kein Strom, wenig Wasser. Die schlechte Wiesn am Ufer der Taugl reichte gerade für das Futter der zwei Kühe. Bei einem Herbststurm verlor Uroma eine Kuh, mit der letzten kämpfte sie den ganzen Winter ums Überleben ihrer großen Familie.

Im Frühling 1901 kam ihr Halbbruder aus Oberwang, um sein geliehenes Geld einzufordern oder eine Kuh. Meine Urgroßmutter die Ebenhäuslerin konnte die einzige Kuh nicht hergeben sonst wäre die Familie verhungert. Der Gschwandtnerbauer nahm deshalb zur Abarbeitung der Schulden 2 Söhne mit – Riapei, 19 Jahre und Wastl, 9 Jahre. Wastl erzählte viele Jahre später, wie er sich damals gefühlt hatte, als er mit Tränen in den Augen über den Steg zur Straße ging und sein Zuhause und die Geschwister ein letztes Mal sah: „Do kim i nie mehr her.“ Die Buben herzugeben war sicher keine leichte Entscheidung für die Mutter, denn sie wusste genau, dass auch der kleine Wastl schwer arbeiten musste.

Tochter Maria „Maridi“ starb 1913 mit 28 Jahren an einer Blinddarmentzündung.

Hans und Jakob kamen aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr nach Hause.

Mein Opa Leonhard kam 1906 mit 10 Jahren vom Reitbauer in Hintersee mit einem offenen eitrigen Knie und sehr starken Schmerzen zurück ins Elternhaus. Nach 7 Jahren Pflege stand fest, der linke Fuß wird für immer steif bleiben. Opa war oft sehr verzweifelt. Trost fand er immer bei seiner Mutter.

Trotz Armut im Ebenhäusl zog es die Kinder stets nach Hause zur Mutter. Bei ihr fühlten sie sich geborgen und verstanden. So kam 1914 auch Justl mit 29 Jahren von ihrer Dienststelle in Bayern hochschwanger zurück ins Ebenhäusl. Hier brachte sie Tochter Resi zur Welt.

Die Kräfte meiner Uroma wurden immer weniger, oft war sie krank. Deshalb blieb Justl mit Resi daheim. Sie sorgte nun für ihre Eltern und 2 Geschwister. Urgroßmutter war ihr für diese Entscheidung sehr dankbar.

Meine Uroma war hilfsbereit, warmherzig, mitfühlend…. Wenn fremde Frauen in Not waren und Hilfe brauchten, brachten sie ihre Kleinkinder vorbei, oftmals für längere Zeit.

Mein Urgroßvater Rupert lebte nach dem Tod seiner Frau Elisabeth noch 9 Jahre alleine im Zuhaus. Er starb mit 78 Jahren am 8.3.1927.

Liebe Urgroßeltern „Ruhet in Frieden“

© Bienenoma