Wastl ein Ebenhäusler

Sebastian „Wastl“ 1892 - 1981

Wastl kam nach 4 Jahren in Oberwang wieder heim zum Ebenhäusl nach Hintersee. Er war 13 Jahre alt. Damit er eine Lehre als Bäcker beim „Hoferbäck“ in Hof bei Salzburg machen konnte, wurde der Bub einfach ein Jahr älter gemacht. Wastl war nun 14 Jahre alt und es war halt so.

In seinem Lehrbetrieb hatte er ein kleines Zimmer zusammen mit anderen Lehrlingen. Dies war sinnvoll, denn in der Backstube hat um 2 Uhr morgens die Arbeit angefangen. Es gab auch noch keine Busverbindung nach Hintersee. Entweder man ging die vielen Kilometer zu Fuß oder wenn man sich vom wenigen Lohn etwas sparen konnte, kaufte man sich ein Fahrrad.

Bei der Arbeit lernte er die Hoferbäcktochter Cäcilia kennen. Als einfacher Bäcker war Wastl ihr zu minder. Aber als er zur Gendarmerie ging heiratete sie ihn doch. Wastl und Cilli bewohnten in Salzburg-Aigen das obere Stockwerk eines Hauses. Zu Besuch ins Ebenhäusl kamen sie mit dem Rad und später mit dem Autobus. Führerschein hatte Wastl keinen.

Ihr erstes Kind war Ludwig. Als Cilli das zweite Mal schwanger wurde, wollte sie „es“ nicht. Wastl war wütend: „Meine Mutter hat 17 Kinder geboren und du willst schon das zweite nicht mehr.“ So hat er sich durchgesetzt und Tochter Hildegard ist am 24.12.1924 als ein “Christkindl“ auf die Welt gekommen.

Ludwig war der ganze Stolz seiner Mutter: groß, schlank, fesch und sehr intelligent. Er war mit 20 Jahren bereits Pilot im Krieg. In seinem letzten Brief Weihnachten 1944 war eine gewisse Todesahnung erkennbar. Er schrieb, er habe sehr große Angst, Familie und Heimat nie mehr zu sehen. Oberleutnant und Staffelkapitän der Nachtjägergruppe Ludwig Wörndl ist am 15.2.1945 mit 23 Jahren, kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, beim letzten Flug, Kinder aus Döberitz bei Berlin zu retten, mit seinem Flugzeug abgestürzt. Der Originaltext am Sterbebild lautet „Er gab sein einsatzbereites, junges Leben für seine geliebte Heimat“. Wieder ein gebrochenes Mutterherz, eines von vielen im Krieg.

Hildegard wurde meine Taufpatin. Sie war meine „Wastl Hilda“. Sie arbeitete bis zur Pensionierung bei der Salzburger Sparkasse. Verheiratet war sie nie, denn ihren Eltern war kein Mann gut genug! Ihr ganzes Leben hat sie sich für ihre Eltern aufgeopfert, beide sind fast 90 Jahre alt geworden. Nach deren Tod wollte sie endlich „leben“. Sie renovierte die Wohnung und kaufte sich einen Pelzmantel. Bald jedoch wurde sie sehr krank. Sie hatte mehrere Krankenhausaufenthalte, zur Erholung schickte man sie nach Goldegg. Leider gab es für meine Godn keine Heilung. Ich bin heute dankbar, dass ich sie noch einen Tag vor ihrem Heimgehen im Krankenhaus Schwarzach besuchen durfte. Sie wusste, wohin ihr Weg führt. Hilda ist mit 63 Jahren viel zu früh gestorben. Wir hätten noch eine schöne gemeinsame Zeit haben können, diese hätte sie sich auch verdient. Ihre guten Taten für ihre Eltern und für viele in unserer Verwandtschaft wurden nicht belohnt. Danke „Wastl Hilda“

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