Ebenhäusler Gretl und Hartl werden Eltern

Opa Hartl hatte neben seinem Beruf Schneider zwei zeitintensive Lieblingsbeschäftigungen: Die Musikkapelle und seine über alles geliebten Bienen, mit denen er sich schon seit seinem 12. Lebensjahr befasste. Oft verbrachte er ganze Sonntagnachmittage bei den Bienen. Wenn Oma manchmal klagte, zeigte Opa kein Verständnis.

Oma und Opa sehnten sich nach eigenen Kindern, aber ein Jahr um das andere verging und die Schwangerschaft blieb aus. Im Dorf munkelte man über ihre Kinderlosigkeit. Am Wirtshaustisch fielen spöttische Kommentare. So meinte der Weber Sepp, selber noch ledig: „Der Schneider hat zwar eine Frau, aber trotzdem keine Kinder“. Oder es kamen auch Sätze wie: „Der hat ja eine aus Abtenau haben müssen, unsrige ist ihm keine gut genug gewesen“. Es wurde gelacht und gehänselt. Nur wenige zeigten ihr Mitgefühl. Opa war über das Gerede sehr gekränkt und jedes Mal verließ er zermürbt das Gasthaus. Zuhause erzählte er alles was vorgefallen war Oma. Obwohl viele Bemerkungen sicher nicht ernst gemeint waren, gingen sie doch stets zu Herzen. Dass Opa gerne zu den Bienen flüchtete, kann ich gut verstehen. Die Arbeit mit den wunderbaren Tieren beruhigte ihn.

Oma und Opa hielten zusammen und mit Hilfe ihrer Familien überstanden sie diese schwere Zeit.

Nach fast fünf Jahren Kinderlosigkeit machten meine Großeltern eine Wallfahrt nach Altötting in Bayern. Sie beteten in der Gnadenkapelle für ihr großes Anliegen und baten die Schwarze Madonna um Hilfe.

Die Gottesmutter aus Altötting hat meine Großeltern erhört. Oma erwartete endlich nach fünf Jahren Ehefrau mit 35 Jahren ihr erstes Kind. Oma und Opa konnten ihr Glück kaum fassen. Alles Negative war vergessen. Die Familien und liebe treue Freunde freuten sich mit ihnen.

Omas Schwangerschaft verlief problemlos und man holte bei Einsetzen der Wehen die Hebamme zur Hausgeburt. Alles deutete auf eine „normale“ Niederkunft. Es traten jedoch Komplikationen auf und die Hebamme brauchte einen Arzt. Dr. Gstrein aus Faistenau wurde geholt. Es vergingen bange Stunden des Hoffens und der Sorge um Mutter und Kind. Schließlich: Der erste Schrei des Kindes – Danke Muttergottes! Am 30.10.1935 um fünf Uhr in der Früh ist Sohn Leonhard gesund zur Welt gekommen.

Zwei Jahre später wurde am 1.9.1937 eine Tochter geboren. Sie wurde als Maria Anna getauft, aber immer Marianne genannt.

Im Ebenhäusl „Beim Schneider“ war das Familienglück nun perfekt.

Marianne ist heute 81 Jahre alt und meine Mutter. Sie ist meine wichtigste Zeitzeugin der Familiengeschichte „Die Ebenhäusler“.

© Bienenoma