Ebenhäuslerin Gretl aus Abtenau (11)

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Ebenhäuslerin Gretl aus Abtenau (11) | story.one

Margarete Jori „Gretl“ 6.9.1900 – 3.12.1968

Der Großvater meiner Oma Christof Jori ist vom kleinen schattigen Dorf Penia in Südtirol, welches am Fuße der Marmolata liegt, 1865 nach Abtenau ausgewandert. Er war Tischlermeister in Rußbach bei Abtenau. 1868 heiratete er die Kendelfeldtochter Margaret Quehenberger.

Deren Sohn Philipp Peter Jori arbeitete als Dienstknecht und heiratete 1899 die Dienstmagd Barbara Gsenger, Salleitentochter aus Rußbach.

Meine Oma Margarete „Gretl“ wurde am 6.9.1900 als erstes von 8 Kindern geboren (3 Mädchen und 5 Buben). Die Familie Jori wohnte in der Rußbachsaag 13 in Abtenau. Oma besuchte 8 Jahre die Volksschule in Abtenau Dorf.

Mit 14 Jahren kam sie aus der Geborgenheit der Großfamilie, die inzwischen umgezogen war und im Jorihäusl in Abtenau wohnte, zum Fischbacheckbauern in Abtenau, um dort bei den anfallenden Arbeiten in Küche, Stall und bei den Kindern mitzuhelfen. Zu Beginn war es für meine Oma sehr schwer, denn das Heimweh plagte sie Tag und Nacht. Die Mithilfe im Stall bereitete ihr Probleme, sie hatte vor den Kühen große Angst. Viele Tränen hat sie vergossen. Jeden Sonntag durfte sie nach getaner Arbeit nach Hause zu ihren Eltern und Geschwistern gehen. Beim Abschied fiel es ihr immer schwer, ihre Tränen zurückzuhalten. Oft hat sie auf dem Weg zum Bauern so geweint, dass sie vor lauter Tränen die Schuhbänder nicht mehr sah.

Nach 7 Jahren beim Fischbacheckbauer erfuhr Gretl, dass der Ober-Schwarzenbachbauer eine Sennerin für seine Alm im Ackersbach sucht. An die anstrengende und harte Arbeit hatte sie sich inzwischen gewöhnt und eine gewisse Freiheit auf der Alm reizte sie. Am Lichtmesstag 2.2.1921 wechselte meine Oma Gretl mit ihrem Hab und Gut zum Ober-Schwarzenbachbauern nach Abtenau-Au. Bis zum Almauftrieb im Juni arbeitete sie als Magd am Bauernhof. Wenn im Frühling der Schnee im Ackersbach weniger wurde, fuhren jedes Jahr der Bauer, meine Oma Gretl als Sennerin und die Knechte mit dem Pferdegespann auf die Alm, um nachzusehen, ob die Almhütte noch steht und welche Schäden der Schnee angerichtet hatte. Immer war genug für die Männer zu tun. Oma Gretl putzte die Hütte und richtete den Stall für die Tiere her. Der Zaun für die Almmahd wurde auch repariert. Genug trockenes Brennholz war wichtig, denn der Kupferkessel zum Käsen musste am offenen Feuer erhitzt werden.

Wenn die Almwiesen saftig grün waren, wurde aufgetrieben. Mit Milchkühen und Jungrindern machte man sich auf den beschwerlichen Fußmarsch, ca.13 km hinauf auf die Ober-Schwarzenbachalm am Ende des Ackersbachtales. Der Hausrat sowie die Lebensmittel für die Sennerin wurden mit dem Pferdewagen hinaufgefahren. Butterfassl und -model, Käseharfe und Tücher zum Käsen durften nicht fehlen, denn meine Oma machte einen speziellen Käse – den „Ackersbachkäse“.

Die Sennerin Gretl war sehr fesch und nett, sie wurde gerne aufgesucht. Ihr Käse und ihre „Abtenauer Haubenkrapfen“ waren köstlich und weitum bekannt.

© Bienenoma 11.04.2019