Hochzeit vom Ebenhäusler Hartl (12)

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Hochzeit vom Ebenhäusler Hartl (12) | story.one

Margarete „Gretl“ Jori und Leonhard „Hartl“ Wörndl der Ebenhäusler

Opa Leonhard war schon viele Jahre bei der Hinterseer Musikkapelle. Im Sommer hat eine kleine Gruppe Musikanten jeden Sonntag auf der Genneralm aufgespielt. Opa spielte das Flügelhorn. Zu dieser Unterhaltung sind auch die Sennerinnen und Hüterbuben vom Ackersbachtal heraufgekommen. Meinem Opa Leonhard gefiel die Sennerin der Ober-Schwarzenbachalm, Gretl, sehr gut. Sie lernten sich kennen und lieben. Über den Sommer trafen sie sich regelmäßig auf der Genneralm. Den ganzen Winter schrieben sie sich gegenseitig Briefe. So ging dies etliche Jahre.

Nach sieben Jahren auf der Schwarzenbachalm vermittelte meiner Oma Gretl ihr Bruder Peter eine Dienststelle als Küchenhilfe im Gasthaus „Auracher Löchl“ in Kufstein. Gretl wollte mehr Erfahrung sammeln und nicht mehr nur bei den Bauern arbeiten. Sie sagte zu und übersiedelte nach Kufstein.

Mein Opa Leonhard war vom Fortgang seiner Gretl nicht begeistert und er schrieb ihr einen Brief, in dem er die Beziehung beendete.

Gretl trat den Dienst an und mit 28 Jahren begann sie in der Küche des Auracher Löchls zu arbeiten. Sie hatte immer das Gefühl, dass ihr als Dirndl vom Land die minderen Tätigkeiten zugeschanzt wurden. So musste sie jeden Tag um 5 Uhr in der Früh aufstehen, um einen großen Ofen, der in der Mitte der Küche stand, anzuheizen. Bevor sie jedoch das Holz anzünden konnte, musste die angefallene Asche vom Vortag aus der Aschenlade entfernt werden. Die Asche wurde in großen Eisenkübeln zum Inn geschleppt und ins Wasser geleert. Wehte der Wind aus der falschen Richtung, war Oma von oben bis unten schwarz vom Aschenstaub. Jedes Mal, wenn ich an diese Erzählung denke, habe ich, Hildegard, ein Bild vor meinen Augen: Oma schwarz wie ein Rauchfangkehrer. Diese Vorstellung bringt mich immer zum Lachen. Gretl war aber zum Weinen zumute, da der Ruß ohne warmes Wasser schwer zu entfernen war.

Gretl dachte oft an Opa. Das „Aus“ konnte und wollte sie nicht akzeptieren und so schrieb sie meinem Opa aus Kufstein sehr verzweifelt und berührend:

„Ich weiß jetzt was es heißt, in meinen schönsten Jahren dienen zu müssen.“

Opa verstand ihre Worte, denn auch er hatte es nicht leicht gehabt in seinem bisherigen Leben. Gretl Jori wollte nicht nur dienen, sie suchte ein Zuhause, eine Heimat. Mein Opa Leonhard handelte und gab Gretl schließlich eine Heimat in Hintersee.

1930 zog Margarete Jori von Abtenau ins 250-Seelen Dorf Hintersee. Zu Opa ins Ebenhäusel.

Gretl und Hartl fuhren mit dem Autobus nach Salzburg und heirateten in der Andräkirche. Alleine und ohne ihre Familien. In Abtenau konnte man diese Entscheidung lange nicht verstehen.

Meine Großeltern waren nun ein Ehepaar. Der Ebenhäusler Hartl war glücklich und zufrieden. Nun hatte er viel geschafft. Er arbeitete selbständig als Schneider und er hatte eine Ehefrau. Seine Bedenken, keine Familie gründen und ernähren zu können gehörten der Vergangenheit an.

© Bienenoma 11.04.2019