Dein Abschied

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Dein Abschied | story.one

Zugegeben ich wusste nicht was auf mich zukommen würde, doch was dann kam habe ich überhaupt nicht erwartet.

Diese Kirche, hat uns schon in der Kindheit begleitet über Taufen, Erstkommunion, Firmung, Hochzeiten und eben nun dein Begräbnis.

Die Atmosphäre, ich kann sie nicht in Worte fassen, dafür ist unser Wortschatz einfach nicht ausreichend.

Soviele Menschen sind gekommen, dich auf diesem letzten Weg zu begleiten.

Geschätzte 180 Verwandte, Freunde und Bekannte füllten die Bänke. Taschentücher wurden immer wieder gezückt und bevor die Zeremonie begann, schüttelten manche unsere Hände und bekundeten ihren Verlust und Anteilnahme.

In manche Augenpaare zu blicken hat meine Seele tief berührt.

Vor dem Altar stand deine Urne, eingebettet in das Blumenherz deines Mannes, meinem Vater. Es wirkte so verbunden und obwohl der Schmerz so spürbar war so hoffnungsvoll gerührt war ich. Zu beiden Seiten die Blumenkränze deiner Söhne mit Familie und ein weiterer von deinen Schulfreundinnen. Darunter stand unser gestecktes Herz. Alles wirkte so friedvoll und still.

Die Messe war sehr emotional, selbst der Pfarrer kämpfte darum seine Tränen im Zaum zu halten. Und das weiße Gewand trug er nur für dich, wie zur Auferstehungsfeier zu Ostern. Dies war dein Wunsch gewesen und so sollte es sein.

Wir Kinder sprachen unsere Fürbitten. Ich hatte meine sorgfälltig aufgeschrieben um nicht die Sprache in diesem Augenblick zu verlieren.

"Lieber Gott, der Alltag hat uns alle fest im Griff, doch sind es die stillen oft ruhigen Momente, die für uns Besonderes bereithalten. Waltraud hat die letzten Monate sehr bewusst gelebt und war für jeden Morgen, den sie erwachte dankbar ein weiters Geschenk ihre Zeit mit all den Menschen zu verbringen, die sie liebte und die sie liebten. Ich bitte dich für alle von uns, gib uns die Kraft und Stärke in jedem Moment das Besondere zu entdecken und sei es auch nur ein Lächeln."

Nach dem Schlussegen, fuhren wir alle zum Friedhof hinauf.

Es war ein so kalter, ungemütlicher Tag, doch in der Gemeinschaft von so vielen wurde die Urne in dein Grab gelassen. Manche hatten ihre eigenen Blumen mit, andere freuten sich über die bereitgestellten Rosen und Nelken und Blütenblätter.

Ich nahm eine Rose und warf sie in dein Grab, danach noch eine kleine Schaufel mit Erde.

Es dauerte lange, sehr lange bis alle Anwesenden es mir gleich getan hatten.

Und da standen wir, aufgereiht neben meinem Vater, deinem Mann. Unzählige schüttelten uns abermals die Hände und Tränen flossen wie Wasserfälle.

Die Welt stand für einen Moment still.

© Birgit Hofstötter 26.01.2020