Die Niere

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Die Niere | story.one

Im Sommer stolperte ich in einer Zeitschrift über einen interessanten Bericht. Feuer und Flamme packte mich für dies zu erwartende Schauspiel im Stadttheater Berndorf. Alleine wollte ich jedoch nicht hingehen und so fragte ich eine Freundin, ob sie mich denn nicht begleiten würde.

Zu meiner Überraschung übernahm sie gleich die Organisation und bestellte zwei Karten für die Premiere am 4. Oktober "Die Niere".

Ich putzte mich heraus (kommt sehr selten vor, da es meist keinen Anlass dafür gibt) und war gleich zur Stellung als meine Freundin bei mir anläutete. Im Auto berichtete sie mir dann, dass eine ihrer Freundinnen höchst überrascht gewesen wäre, dass sie nach Berndorf ins Theater ging, denn von der Leitung war sie nicht sehr angetan. Gleich fühlte ich mich so richtig privilegiert, dass sie mich trotz ihres Vorbehaltes begleitete.

Das Stück echt witzig aufgebaut, obwohl es um ein ernstes Thema ging. Eine Nierenspende. Würde der Ehemann seiner Frau eine Niere spenden? Ein ewiges hinundher, bis sich ein anderer freiwilliger Spender findet. Das missfällt dem Ehemann sehr, denn eigentlich hätte er ja nicht abgelehnt sondern nur seine Entscheidung noch nicht getroffen. Dann die Wende im Stück, das Labor hätte die Befunde vertauscht, nicht sie sondern er würde eine Spenderniere benötigen. Wie schnell sich das Blatt wenden konnte. Kurz war ich verstört, denn für mich war nun das Stück zu Ende.

Doch die Pointe des Stücks war eine ganz andere, die Ehefrau verwendete diese List der Nierenspende um ihren Ehemann zu testen. Sie wusste von seiner Affäre und wollte damit herausfinden wie viel sie ihm noch bedeutete. Sein Zögern sprach Bände für sie. Am Schluss war er gesund, doch ohne Frau.

Und wie sieht das wohl im wahren Leben aus? Wahrscheinlich kann man diese Frage erst beantworten wenn man wirklich direkt betroffen ist. Ich hätte keine Einwände für meine Mutter Blut zu spenden, doch würde ich mich auch über mehr drüber trauen?

Die Nierenspende ist ziemlich komplex. Denn es gibt lange Wartelisten. Viele Krankenhäuser sind bereits vernetzt, aus diesem Grund kann eine Nierenspende womöglich mehr als ein Leben retten. Denn angenommen ich würde mich bereit erklären einer mir nahestehenden Person zu spenden, doch meine Niere würde gar nicht passen, doch für jemanden anderen auf der Warteliste und somit ergäbe sich eine Kettenreaktion. Ich fand dieses Thema sehr spannend.

Und der Film "Drei Schritte zu dir" hat mich dann nochmals aufhorchen lassen. Davor war mir nicht bewusst, dass auch ein Spenderorgan eine begrenzte Lebensdauer mit sich bringt.

Auch dass wir in Österreich die Widerspruchsregelung haben, finde ich ganz in Ordnung. Die meisten Menschen beschäftigen sich nicht mit dem Thema und so schließt sich manchmal der Lebenskreis mehr oder weniger von ganz alleine.

© Birgit Hofstötter 20.10.2019