Einfach schön

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Einfach schön | story.one

Jeden Morgen auf dem Weg zum Kindergarten, gingen wir zumindest an zwei, drei Pferden vorbei. Nicht nur für meine Kinder ein Anziehungspunkt. Eigentlich wenn ich so nachdenke, eine tolle Idee, eine Koppel genau neben dem Kindergarten zu errichten.

Als meine Tochter dann in die Schule kam, wollte sie unbedingt Reiten gehen. In der alltäglichen Hektik und meine Arbeit gewissenhaft zu erledigen, fiel es mir sehr schwer alles unter einen Hut zu bringen.

Als Kind war ich selbst mal geritten, doch da hatte man uns einfach auf's Pferd gesetzt.

Ahnungslos schloss ich mich dann denjenigen in unserer Gemeinde an, die bereits Stallerfahrung hatten.

Eine idyllische Umgebung, man fühlte sich fast als Prinzessin in einem Märchenwald, erwartete uns. Mein kleines Mäderl war so stolz endlich auf einem Pferd zu sitzen. Ich sehe sie noch heute grinsen.

Wöchentliche Reitstunden folgten doch es stellte sich irgendwie kein Weiterkommen ein. Auch mit meiner Arbeit wurde es immer schwieriger geeignete Termine zu finden. Und dann schlief alles wieder ein.

Natürlich ließ mein Kind nie locker und versuchte ihr Verlangen zu stillen.

Durch den heurigen Schulwechsel erschloss sich für mich ein anderer Suchradius. Der erste Reitstall war ganz ok gewesen, doch richtig überzeugt hatte er mich nie. Ausserdem wollte ich es familiärer als zuvor und ohne Konsumzwang.

Im Internet stieß ich dann auf eine Homepage, die mir auf Anhieb gefiel. Also rief ich dort an und vereinbarte einen Termin.

Meine Tochter total aufgeregt und kaum zu bändigen stieg in voller Reitmontur aus dem Auto.

Trotz Missverständnis bekam sie nach einer Stunde Wartezeit, ihre erste Reitstunde an der Longe.

Und seit diesem Tag ist eine unglaubliche Liebe zu diesem Reitstall entfacht. Weit über 40 Reitstunden hat sie bereits absolviert. Das Pferd hat ihr soviel Selbstvertrauen gegeben. Ihre ganze Körperhaltung hat sich verändert. Zuvor saß sie wie ein kleines schüchternes Mädchen auf dem Pferd. Dieses folgte Anfangs kaum, denn ihre Befehle waren viel zu zaghaft um dieses 600kg schwere Geschöpf auch nur irgendwie zu beeindrucken.

Hartnäckigkeit mir gegenüber war schon immer ihre gewisse Stärke gewesen. Und wie sollte man als Mutter "NEIN" sagen können, wenn man sieht wie die Entwicklungsschritte zu galoppieren anfangen. Die Reitbeteiligung an Lou, dem schwarzen Wallach, war dann das i-Tüpfelchen. Die Verantwortung, die sie damit übernommen hat bewirkt Wunder.

Auf der Pferdemesse in der Arena Nova kaufte sie mit ihrem ersparten Geld, eine neue Schabracke und ließ den Namen aufsticken. Die Emotionen der anderen Mädels im Reitstall waren einfach herzerwärmend. "Moi, voll süß, da steht ja sein richtiger Name drauf!"

Ich kann die Atmosphäre dort gar nicht in Worte fassen, doch wir haben mit diesem Reitstall den Jackpot geknackt.

© Birgit Hofstötter 19.10.2019