Gratis Haarschnitt

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Gratis Haarschnitt | story.one

Seit langem habe ich es doch wieder einmal geschafft meinen Friseur aufzusuchen. Bis vor ein paar Jahren musste es immer dieselbe Friseurin sein, alles andere brachte mich aus meinem Gleichgewicht. Dies hat mittlerweile an Bedeutung verloren. Meine Tochter begleitete mich und wir hofften beide dran zukommen. Welch ein Glücksfall, dass die knallrothaarige mir zufiel. Ihre Leidenschaft "Kurzhaarschnitt". Ich ließ mich darauf ein, die einzige Auflage "kein Monchichi-Look". Im Spiegel sah ich ihren Blick und ich fühlte mich gut aufgehoben.

Meine Tochter neben mir platznehmend. Plötzlich eine kurze Unterhaltung zwischen den Kolleginnen. Dann, es tut uns leid, doch ihrer Tochter können wir die Haare nicht schneiden. Sie hatte eine Nisse in den vielen langen, feinen Haaren entdeckt. Alles klar, vor einigen Wochen bekämpften wir diese lästigen Untermieter, anscheinend haben wir die eine übersehen. Ihr wurde der Fön in die Hand gedrückt und sie durfte sich die Haare selbst trocknen.

Die Friseurin bedankte sich für mein Verständnis und eine rege Unterhaltung entstand. In dem besagten Salon wurde das Gratisangebot "Kleinkindhaarschnitt" bis ins Letzte von "Nicht-Kunden" ausgenutzt. Sie erzählte frei heraus und löste sich so von ihrem Ärger. Da dieses Gratisangebot gerade am Wochenede ausuferte, beschloss die Geschäftsleitung dieses auf drei Wochentage einzeinzuschränken. Ein Vater zweier Kleinkinder bestand jedoch darauf, dass seine Kinder am Samstag gratis bedient werden sollten. Die Salonleitung hielt sich an die Vorschrift und eine Sintflut entfachte. Er wurde regelrecht ungehalten und beschwerte sich, dass man ihn als Kunden nicht schätzte. Er war ja auch keiner dieses Salones, nur seine Kinder!

Die Gebietsleitung wurde dann von diesem, ach so geschäftstüchtigen, Herrn per Telefonat und Email zubombadiert. Er hätte sich schlau gemacht und in einer anderen Filiale wäre es gar kein Problem den Gratis-Haarschnitt auch Samstags zu erhalten. Der Kunde sei doch König.

In diesem Fall gewann der "Nicht-Kunde" nicht. Doch mit solchen unseriösen Ausbrüchen könnte es doch passieren, das gut gemeinte Angebote keinen Einzug mehr finden und ganz verschwinden.

© Birgit Hofstötter 24.11.2019