Meine Freiheit

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Meine Freiheit | story.one

Ich wuchs sehr behütet auf, oder anders formuliert an der kurzen Leine. Bei meinen Brüdern war das total anders, ob das nur daran lag, dass sie nicht schwanger werden konnten bezweifle ich.

So gab es kaum ein Fortgehen und wenn dann doch mal ein Auge zugedrückt wurde musste ich früh wieder zu Hause sein. Die Sorge war einfach zu groß, oder das Vertrauen zu gering.

Ich durfte nach Wien in die Schule pendeln, nach Schulende jedoch schnurstracks mit dem Zug nach Hause kommen. Unsere Hauptstadt hat sich mir somit nicht wirklich erschlossen. Tiefe Freundschaften wurden auch nicht geboren.

Selbstsicherheit war daher eher ein Fremdwort für mich und als ich dann mit 25 Jahren den Schritt wagte ins Ausland auszuwandern hat sich für mich sovieles verändert.

Ich hatte keine Ahnung was da auf mich zukommen würde, doch einen Rückzieher hätte ich nie unternommen.

Anfangs wohnte ich bei langjährigen Freunden, doch dort fühlte ich mich auch eher wie in einem Käfig. So googelte ich mich durchs Netz und suchte mir eine WG. Da kamen mir doch glatt zwei Junkies unter, schnell weg diese beiden waren definitiv nichts für mich.

Und dann fand ich sie die ultimative WG. Vier Burschen und ich. Welche Ironie. Drei waschechte Iren und ein Inder. Der Landlord dachte sich wohl, ein Mädl in dem Haushalt sei gute Investition. Natürlich putzte ich, doch bestimmt nicht für die Herren der Schöpfung. Hart musste ich mein Bad bewachen.

Mein Zimmer war mein Reich und ich war so stolz drauf. Das einzige Manko, es hatte kein Fenster sondern nur eine Dachluke, bei Regen brauchte ich manchmal den Schirm.

Die Küche war noch besser. Denn da konnten wir das Fenster nicht schließen, weil ein Baum hereinwuchs. Wenn ich heute so darüber nachdenke, wäre eine Säge wohl sehr hilfreich gewesen.

Und eines Tages im Dezember wurde uns doch tatsächlich das Gas abgedreht, weil unser Landlord vergessen hatte die Rechnung zu begleichen. Somit musste der Haarfön herhalten und kurzfristig meine Decke aufwärmen.

Einmal besuchten mich auch meine Eltern und danach erzählte meine Oma glatt herum ich wohne in einer krummen Absteige mit zig Kakerlaken.

Doch für mich war das das Paradies, endlich frei.

© Birgit Hofstötter