Schräg?

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Schräg? | story.one

Wenn der Spruch doch wahr wäre! Familie kann man sich nicht aussuchen doch Freunde schon.

Ich war bezaubert doch eher verzaubert von der Art und Weise wie die Kindergärtnerin mit meinem Sohn umging. Sie faszinierte mich immer wieder und ihre Ideenvielfalt bewunderte ich sehr. Für mich war und ist sie ein Mensch, der seiner Berufung folgt und soviel Gutes nur mit seinem Sein in die Welt tragen kann. Ach, wie gerne wäre ich mit ihr befreundet. Soviel hätte ich von ihr lernen können. Klar habe ich versucht mich irgendwie an sie heranzutasten, doch bis heute ist es mir nicht geglückt. Ich wusste, dass sie oft für meinen Sohn die bessere "ich zeig dir das Leben" war als ich. Fast ein ganzes Meer an Tränen habe ich vergossen, als der Kindergarten zu Ende war und mir bewusst wurde, dass unsere Wege sich nur noch zufällig kreuzen würden.

Oh, schon wieder eine neue Friseurin, in meinem Friseur! Soetwas brachte mich immer aus meinem Konzept. Doch dann. Orta war alleine und der Besuch bei ihr wurde zum Erlebnis. Ich fühlte mich wie verzaubert, in eine andere Welt versetzt. Ihre Erscheinung ein Kunstwerk. Ihre Art einzigartig, großartig. Ein Mensch, den ich gerne näher kennen gelernt hätte. Ja, tatsächlich wollte ich sie auf einen Kaffee einladen, doch oh Schreck, mein Friseur hatte zugesperrt. Für immer! So war sie weg und wieder eine Chance verpasst. Klar hab ich gegoogelt, doch leider nicht gefunden.

"Alles ok?"waren ihre Worte. "Geht schon", meine knappe Antwort. Jeden morgen schleppte ich mich aus meinem Bett um meinen Verpflichtungen nachzukommen. Eine Zeit in der ich am liebsten nicht mehr aufgewacht wäre. Sie arbeitete an der Kassa im Supermarkt. Jeden morgen kaufte ich die Jause für meine Kinder und SIE war der einzige beständige Moment, mein Lichtblick. Unser Smalltalk wurde immer ein wenig mehr. Und wieder erfüllte mich unendliche Dankbarkeit. Mittlerweile ist fast ein Jahr vergangen. Oft habe ich darüber nachgedacht wie ich die Kassadame besser kennen lernen könnte. Gestern hätte ich sie fast angesprochen, doch dann war eine Schlange an Morgeneinkäufern und ich fands unpassend. Ich war mir unsicher. Doch heute morgen, meine Tochter dabei und sie an der Kassa sprudelte es aus mir heraus :"Ich würde Sie gerne auf einen Kaffee einladen, wenn's mal passt. Frei hätte ich nächste Woche!" Es war raus. Draußen meinte dann meine Tochter, echt schräg, ich hätte die Dame jetzt total überfordert. Unsicherheit stellte sich ein. Ich habe keine Erwartungen, sondern möchte mich einfach dafür bedanken, dass sie einfach da war, beständig in einer sehr schwierigen Zeit. Nachdem ich die Kinder dann in der Schule abgeliefert hatte, bin ich nochmals zurück gegangen. Einen Zettel mit meinem Namen und der Telefonnummer drauf. Schnell hat es sich aufgeklärt, alles gut und wir gehen nächste Woche auf einen Kaffee.

Mein Weihnachtswunder ist für mich einfach so näher gerückt. Danke!

© Birgit Hofstötter 13.12.2019