Hashimoto

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Hashimoto | story.one

Ich ging in unserem Haus die Stiegen hinauf. Vom Erdgeschoss in den ersten Stock. Mein Puls war enorm hoch - ich keuchte. Meine Mutter hat letztendlich gemeint "Genug! Es ist so weit, wir gehen zum Arzt".

Damals war ich 17. Ich war seit Monaten ausgelaugt, müde und antriebslos. Bei meinem Hausarzt wurde mir Blut abgenommen. Glücklicherweise hat er wegen meiner Müdigkeit besonderen Wert auf meine Schilddrüse gelegt. Anscheinend werden diese Werte bei einer gewöhnlichen Blutkontrolle außen vor gelassen.

Am darauffolgenden Tag bekam meine Mutter einen Anruf vom Arzt. Normalerweise meldete sich niemand und man konnte sich einfach die Blutwerte 2 Tage später abholen. Er bat uns, sofort in seine Ordination zu kommen. Mein Kopf malte die absurdesten Situationen aus. Der Doktor war sich ziemlich sicher, dass es sich hier um Hashimoto handelt. Ich habe also eine unheilbare Autoimmunkrankheit. Das war der Moment, wo meine Welt aus den Fugen geriet..

Ich konnte Hashimoto nicht als Teil meines neuen Lebens akzeptieren. Die Jahre vergingen, die Dosis der Schilddrüsenmedikamente stiegen und mein Wohlbefinden sank. Anscheinend leiden sehr viele Menschen darunter, wobei viele nicht mal wissen, dass sie es haben, da jeder Körper anders reagiert.

Na toll.. Mein Körper akzeptierte es leider überhaupt nicht. Ich begann in Foren und Bücher zu lesen, wie andere Menschen es schafften, dass es ihnen besser ging. Einiges probierte ich natürlich sofort aus. Auf Gluten verzichten, auf Milchprodukte verzichten, Zinktabletten schlucken, ... Eigentlich veränderte sich mein Wohlbefinden dadurch nicht, sondern wurde von Tag zu Tag immer schlechter.

Meine Mutter unterstützte mich wo es nur ging. Mein Vater jedoch meinte, dass das alles nur Einbildung ist. Das war der nächste Schlag in die Magengrube. Ich wollte von niemandem Mitleid. Das einzige was ich wollte war, dass es von meinen Familienmitgliedern akzeptiert wird.

Weitere Diagnosen folgten: Verdacht auf Depressionen, Somatisierungsstörungen, Eisenmangel, ...

Ich schlenderte von einem zum nächsten Arzt.

Plötzlich nach 5 Jahren der Entschluss! Ich werde nur mehr zu meinem Hausarzt gehen - der machte auf mich den kompetentesten Eindruck - und nur die notwendigen Schilddrüsentabletten nehmen. Mehr nicht!

Seitdem geht es Berg auf. Die Sorgen sind verschwunden, was welcher Arzt/welche Ärztin diagnostizieren könnte. Meine Durchforstungen in den Internetforen hatte auch ein Ende. Mein Wohlbefinden stieg mit jedem Tag.

Mein Rezept für ein gesundes Leben:

* weniger darüber nachdenken was man haben könnte, sondern das akzeptieren was man hat und das Beste daraus machen

* Ärzte stellen nicht immer die richtigen Diagnosen - ich hatte bei weitem keine Depressionen, trotzdem glaubte ich eine Zeit lang daran

* gesunde Ernährung

* etwas Sport

* den Glauben an sich selbst niemals verlieren

Mein Körper akzeptiert nun mein Hashimoto!

© bluewhale 26.01.2020