Das Lächeln der Mirella Freni

Es waren die späten 70iger Jahre in Graz. Meine Freundinnen und ich waren vom Opernvirus infiziert und gingen in dieser Zeit oft mehrmals in der Woche in die Grazer Oper und nach den Aufführungen zum „Bühnentürl“ um von unseren angehimmelten Stars Autogramme zu erbetteln.

Im Keller habe ich noch eine Schachtel mit den alten Programmheften, die durch die Unterschriften unserer Lieblinge damals so wertvoll für mich wurden. Und tatsächlich hat diese Schachtel jeden Umzug und jedes Trennen von unnötigem Ballast in meinem Leben unbeschadet überstanden.

Unvergessen die erste Aufführung von „Porgy and Bess“ mit der charismatischen Felicia Weathers in der Rolle der Bess. Ich kaufte damals eine Arienplatte und ließ mir das Autogramm darauf schreiben.

Als ich die Platte das erste Mal abspielte, stellte sich leider heraus, dass sie fehlerhaft und keineswegs ein Hörgenuss war. Wegen des Autogramms schaffte ich es dennoch lange Zeit nicht, mich von der sonst wertlosen Platte zu trennen.

Birgit Nilsson mit über 60 als Tosca in Graz – auch das war ein Erlebnis für mich als 15-Jährige.

Und dann kam Mirella Freni zu einem Liederabend nach Graz. Wir hatten Plätze auf dem Podium des Stefaniensaals ergattert, waren der Sängerin also ganz nahe. Der Erfolg war grandios, die FRENI wurde bejubelt und musste sich viele Male verbeugen und die Ovationen des Publikums entgegennehmen. Mehrmals ging sie knapp an mir vorbei, gerade erklomm sie wieder das Podium als sich unsere Blicke trafen und sie MICH anlächelte. Ich war in diesem kurzen AUGENBLICK so berührt und auch nach mehr als vierzig Jahren, die seitdem vergangen sind, hat dieser Moment seinen Zauber für mich bewahrt.

Das Interesse an Musik und Oper im Speziellen ist mir geblieben, die magischen Momente von damals haben sich aber später zu meinem Bedauern nicht mehr wiederholt.

© BriBra