Das Margerl - eine Grazer Institution

Das Margerl ist eine Grazer, beziehungsweise Geidorfer Institution: es ist ein kleines Schwimmbad, mitten im Wohnbezirk Geidorf gelegen, umgeben von Gründerzeit-Häusern.

Das Margaretenbad ist wahrlich eine Welt für sich, ein richtiger kleiner Mikrokosmos. Hier trifft man Menschen aller Schichten und Altersgruppen vom Dichter zum Politiker, vom Lehrer bis zum Postler, vom Bäcker bis zum Schauspieler ist alles vertreten. Vor allem wird es aber von Familien und Studenten gerne besucht. Das Bad hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich: vor 91 Jahren von einer jüdischen Familie erbaut wurde es in der NS-Zeit enteignet („die Judenschwämm“) nach dem Krieg der Besitzerfamilie zurückgegeben (der Besitzer hatte diese dunkle Zeit leider nicht überlebt) und ist nun seit den 60iger Jahren im Besitz der Stadt Graz.

Der jüdische Architekt Eugen Székely hatte das für damalige Zeiten moderne Bad mit viel Holz geplant. Mitte der Achtzigerjahre wurde es leider einer umfassenden, wenig geglückten Renovierung unterzogen, die den ursprünglichen Charakter fast völlig zerstörte.

Meine Familie besucht das Bad nunmehr in der vierten Generation, mein Vater, meine Geschwister und ich und auch meine Kinder haben dort Schwimmen gelernt und unzählige schöne Stunden verbracht. Hier wurde Eckengangerl gespielt (ein Abfangen-Spiel im Wasser wobei die Ecke des Beckens mit einem Sprung ins Wasser überwunden werden muss), Rundgangerl am Tischtennistisch, hier wurde gekickt und später Beach-Volleyball gespielt. Ein Uni-Professor der Mathematik hat hier an heißen Tagen seine Vorlesung abgehalten, ja einmal diente das Bad sogar als Filmkulisse. Hier habe ich mich zum ersten Mal verliebt und kurze Zeit später auch wieder „entliebt“.Wenn die Bade-Saison am 1. Mai beginnt, freuen sich die Stammgäste schon sehr auf ihr Bad.

Man begrüßt sich überschwänglich, richtet sich seine Kabine her und schleppt die Liegebetten heraus.

Die Kinder springen ins eiskalte Wasser und kreischen vor Begeisterung. Im Buffet wir diskutiert und politisiert aber auch Karten und Backgammon gespielt.

Der Bademeister kennt fast jeden Gast persönlich und ist eifrig bemüht, es allen recht zu machen und kleine Wehwehchen zu heilen.

Vor einigen Jahren bangten die Margerl-Besucher um den Fortbestand ihres Bades. Es wurden Unterschriften für den Erhalt gesammelt und dem Grazer Bürgermeister übergeben. Bei der Übergabe der Unterschriften versicherte er „Das Margerl sperren wir sicher nicht zu, ich war ja selbst als Kind dort baden!“Die Enkelin des ersten Besitzers startete eine Bürgerinitiative, die bis heute sehr wachsam beobachtet, was mit dem Bad geschieht. Mittlerweile bin ich aber zuversichtlich, dass auch meine noch nicht geborenen Enkelkinder einmal im Margaretenbad planschen werden.

Heute habe ich bei knapp 20° Wassertemperatur meine ersten Längen absolviert. Die Margerl-Saison hat begonnen!

© BriBra