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#zusammenhalt#zuversicht#wandel

Lockdowns im Leben

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Lockdowns im Leben | story.one

Als ich 19 Jahre alt war, verlor ich unter besonders tragischen Umständen meinen Vater. Ich fragte mich damals: Wie mache ich überhaupt weiter? Es fühlte sich an wie ein Lockdown, eine Ausgangssperre für meine Seele. Nachdem der erste Schock, der erste große Schmerz in den Nebel der Resignation übergegangen waren, fragte ich mich: Was gilt es zu lernen?

Und dann kam fürs Erste die Erkenntnis: Du musst das, was passiert ist, annehmen, etwas anderes bleibt dir gar nicht übrig. Zuversicht und Optimismus waren plötzlich dahin.

Nichts hatte zuvor mein Leben bedroht, ich hatte ohne Grenzen gelebt, ich war, von kleinen Kränkungen und Ärgerlichkeiten abgesehen, frei von Sorgen, zufrieden, glücklich gewesen. Kleine Probleme waren in dieser Zeit groß geworden. Es fühlte sich alles an wie in einer anderen Relation. Nur hatte ich das nicht gewusst.

Ich hielt inne. Blieb stehen. Und da bemerkte ich: Du bist nicht allein. Es sind nach wie vor genug Menschen da, die dich lieben. Die dir Trost spenden. Die dir das Geschenk der Zuversicht machen. Und siehe da – ich wurde achtsamer. Ich nahm den die Buntheit des Frühlings stärker wahr. Ich fühlte die Sonnenstrahlen noch wärmer auf meiner Haut. Ich freute mich am Lachen der Kinder, an der Beschwingtheit des Alltags, nahm jede Geste der Freundlichkeit tiefer wahr.

In Zeiten wie diesen ist mehr Achtsamkeit gefragt. Und so ist es auch jetzt.

Gegen das Virus können wir uns nicht wirklich wehren, es ist unser Begleiter. Blinder Optimismus schützt davor genauso wenig wie Ignoranz. Aber was wir brauchen, ist Zuversicht. Das Bewusstsein, dass dieses Leben ein Geschenk ist, kein Konsumartikel. Dass wahre Probleme mit Geld allein nicht zu lösen sind.

Ich achte wieder mehr auf meine Schritte. Ich bin dankbarer für all das Schöne, was uns die Welt bietet, es ist so viel davon da, und es ist nicht selbstverständlich.

“Bleiben Sie gesund. Achten Sie aufeinander.”

Ja – achten wir aufeinander, indem wir als Erstes auf uns selbst achten, auf eine gesunde Art und Weise. Berühren wir einander, ohne uns körperlich zu berühren, das ist möglich. Ein ehrliches Lächeln wiegt in dieser Zeit mehr denn je. Eine kleine Geste. Schenken wir einander Zuversicht.

Bild: @dpa/Marijan Murat

© Brigitte Baur 2020-11-15

LOCKdown - 2.(0) Klappe

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