Der Moment

Neuseeland zu bereisen war einer meiner Lebensträume (ich hatte damals zwei große Lebensträume). Neuseeland assoziierte ich mit vielfältiger Natur. Damals war Neuseeland gefühlt am anderen Ende der Welt, ganz weit weg...Es war noch nicht so üblich wie heute, dass man als Österreicherin dorthin reist, auch wenn es natürlich Menschen gab die das taten.

Gestartet in Billund/Dänemark, eingecheckt in Zürich und Auckland, kurze Zwischenlandung in Los Angeles, landete ich nach 26 Stunden reiner Flugzeit in Christchurch. Bepackt mit einem Tramperrucksack am Rücken, einem kleinen Rucksack vorne und meinem Fotoequipment in einer Fototasche seitlich umgehängt schreitete ich durch die Flughafenhalle.

Fast demütig, ehrfürchtig und aufgeregt gelangte ich ins Freie. Es war Februar, zu Hause hatte es Minusgrade und es lag Schnee. Hier zeigte es 26 Plusgrade, der Himmel über mir war blau und der Wind wehte durch die großen Palmen, die den Platz säumten. Ich atmete bewusst die warme Luft ein, Neuseeland-Luft. War ich im letzten Flugdrittel schon etwas müde geworden, war ich nun wieder hellwach.

Ich bin da! Ich habe es geschafft. Ich bin in Neuseeland. Ich, die kleine Österreicherin, bin wirklich in Neuseeland, auf der anderen Seite der Erde. - Solche Gedanken liefen mir durch den Kopf.

Voller Freude, Begeisterung und Neugier stand ich da, bereit in das Abenteuer Neuseeland einzutauchen. So startete ich gleich mit meinen ersten Erkundungen und erst am Abend, nachdem ich insgesamt seit bereits 56 Stunden wach gewesen war (ich hatte im Flugzeug nicht geschlafen), legte ich mich in meiner ersten Unterkunft schlafen und war überglücklich hier zu sein.

Im Leben gibt es immer wieder Momente, Eindrücke, Erlebnisse, Begegnungen, Menschen, die uns so sehr emotional berühren, dass sie tief in unserem Gedächtnis haften bleiben.

© Brigitte Sailer