Bienen

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Bienen | story.one

Es ist köstlich zu erleben, wie im Frühling die ersten Bienen kommen und eifrig unter heftigem Summen die Blüten umschwärmen. Sie stecken ihren Rüssel vorsichtig in die Kelche und holen den süßen Nektar heraus. Damit sind sie Teil eines wunderbaren Naturkreislaufes, der sich jedes Jahr wiederholt, und dem wir nicht nur den süßen Honig verdanken, sondern auch die verschiedenen Früchte, die wir dann im Herbst ernten können.

Dabei muss ich an einen Traum denken, den Manfred mir einmal erzählt hat: Er sah ein Bild, in dem zunächst die Bienen kamen und behutsam den Nektar aus den Blüten holten, doch dann kamen Ratten und fraßen gleich die ganzen Blüten weg. Wir haben uns dann den Kopf über die Deutung zerbrochen und sind zu dem Schluss gekommen, dass dieser Traum wohl etwas damit zu tun haben muss, wie wir anderen Menschen unsere Überzeugungen vermitteln. Geben wir sie so behutsam weiter, dass die befruchtend wirken und zur rechten Zeit gute Früchte bringen, von denen auch andere Menschen profitieren können, oder überfallen und vereinnahmen wir den Anderen dermaßen rücksichtslos, dass er förmlich zerdrückt wird und schließlich innerlich abstirbt?

Manchmal kommt es vor, dass sich eine Biene ins Haus verirrt, dessen Wände mir als Ausstellungsfläche für meine Bilder dienen. Ich beobachte dann, wie sie an einem meiner Blumenbilder entlang fliegt und vergeblich nach dem sucht, was doch nur die natürliche Pflanze ihr geben kann. Sie erkennt jedoch recht schnell, dass sie einer Täuschung erlegen ist, und fliegt wieder beim Fenster hinaus.

Suchen nicht auch wir manchmal an der falschen Stelle nach etwas, das dort nicht zu finden ist, anstatt uns an die Quelle zu halten, die allein wahres Leben spenden kann?

© Brigitte Thonhauser 24.05.2019