Das Biene Maja Spiel

Es muss vor ungefähr fünfundvierzig Jahren gewesen sein, als Karel Gott das Lied von der Biene Maja sang und in allen Papier- und Spielwarengeschäften Artikel mit dem Aufdruck des Kulttierchens angeboten wurden. Da gab es Federpennale, Lineale, Schultaschen, Stifte, Notizbücher, Radiergummis, später auch T-Shirts mit den entsprechenden Aufdrucken, und Bilderbücher mit Geschichten über die Abenteuer von Maja und ihren Freunden, dem Willi, dem Mistkäfer und dem Grashüpfer Flip. Nicht zu vergessen die Filmserien, in denen die Spannung bei den Kindern wuchs, wenn die Gefahr bestand, dass Maja oder einer ihrer Freunde in das Netz der bösen Spinne Kassandra geraten könnte. Die Biene Maja war auch eine der beliebtesten Faschingsverkleidungen. Das besondere Ziel aller Wünsche war jedoch das Biene Maja Spiel, ein Würfelspiel, das alle Stationen der Geschichte umfasste. Dazu konnte man jede Figur in Größe einer kleinen Puppe von etwa 30 cm Größe kaufen und damit wunderbar spielen. Alles zusammen kostete eine schöne Stange Geld und war nicht für jedermann erschwinglich.

Da auch wir damals sparen mussten, kam ich auf eine Idee: Ich nahm einen großen Zeichenkarton und ein paar bunte Filzstifte und schlug meinen beiden Buben vor, selbst ein Biene Maja Spiel zu zeichnen. Die beiden machten sich mit Feuereifer ans Werk. Zuerst zeichneten sie mit Hilfe meines Fingerhutes viele kleine Kreise hintereinander, die einen verschlungenen Weg bildeten. Der Ältere von den beiden, der bereits zur Schule ging, schrieb fortlaufende Ziffern in diese Kreise, und gemeinsam zeichneten wir verschiedene Episoden aus der Biene Maja Geschichte dazwischen hinein. Die Kinder arbeiteten mit voller Konzentration und waren nach Vollendung des Werkes so richtig erschöpft und glücklich. Als die beiden zufrieden zu Bett gegangen waren, machte ich mich ans Werk, um ihnen auch die Figuren dazu zu basteln. Ich fertigte Drahtgestelle an, die ich mit Stoff und Watte umwickelte, und nähte aus Filzresten die Umhüllungen für die Körper. Der Grashüpfer Flip bekam noch dazu einen kecken schwarzen Zylinderhut aus Filz. Von dieser Figur musste ich zwei Exemplare machen, da sie sich besonderer Beliebtheit erfreute und jeder der beiden seine eigene haben wollte. Ich stellte ihnen die fertigen Figuren zur Überraschung ans Bett. Am nächsten Morgen weckte mich ein lauter Jubelruf. An diesem Tag war es nicht leicht, die Kinder in den Kindergarten bzw. zur Schule zu bringen.

Auch als Erwachsene erinnern sich meine Söhne gerne an diese Episode, die ein Musterbeispiel dafür ist, wie sich durch Kreativität ein scheinbarer Mangel in ein positives Erlebnis und einen großen persönlichen Gewinn verwandeln lässt.

© Brigitte Thonhauser