Kinderarbeit?

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Manche Reiseerinnerungen brennen sich besonders in das Gedächtnis ein.

Zum Beispiel die beiden Buben in San Cristobal, die sich eifrig als Verkäufer betätigen. Es ist Abend und wir gehen noch etwas trinken. Da kommt ein Junge an unseren Tisch. Er trägt ein Körbchen voll mit kleinen Tierfiguren. Sobald jemand von uns Interesse daran zeigt, breitet der Junge, ich schätze ihn auf 8-10 Jahre, seine Tierfiguren auf dem Tisch aus. Ein weiterer Junge beobachtet dies und eilt herbei und bietet nun auch seine Tierfiguren an. Dies führt zunächst beim ersten Jungen zu einer Mimik der Verärgerung wie mir scheint. Das legt sich, da die beiden jungen Verkäufer inzwischen beide Gehör gefunden haben. Ich denke mir, die beiden beherrschen Verkaufsgespräche besser als so manch ein Verkäufer in einem österreichischen Fachgeschäft...Mit viel Charme und schlagfertiger Argumentation führen sie ihre "Verkaufsverhandlungen" und machen ein Geschäft: 50 Pesos (= ca. 2,50 Euro) für jeweils zwei Figuren für jedes Kind. Zwei strahlende Gesichter verlassen uns, um ihre Verkaufstour fortzusetzen...

Ich erinnere mich an Kinder, die an stark befahrenen Straßen stehen, um sich während der kurzen roten Ampelphasen Geld durch Autwoäsche zu verdienen. Weil sie noch so klein sind müssen sie auf den Autoreifen steigen, um die Scheiben zu erreichen...Derartige Situationen begleiten mich auf manchen meiner Reisen - die Schuhputzer, Autowäscher, Straßenverkäufer...

Einige Bilder von verschiedenen Orten meiner Reisen. Orte, die nichts miteinander zu tun haben, und die dennoch eines verbindet: Es sind Orte, an denen Mädchen und Buben arbeiten.

PS: Ist es "gut oder nicht", ist es "richtig oder falsch"...den Kindern etwas abzukaufen?...aus unserer Perspektive

In einigen Ländern der Welt existieren Bewegungen arbeitender Kinder, z.B. die NATS (Ninas y Ninos y Adolescentes Trabajadores, Arbeitende Mädchen und Jungen und Jugendliche). Hier setzen sich Kinder für ihr Recht auf Arbeit ein. Bei den arbeitenden Kindern in den ärmeren Regionen der Welt geht es häufig nicht um ein Taschengeld, sondern um ein besseres Leben - um einen Beitrag zum Familieneinkommen, um die Ermöglichung des Schulbesuches etc. Wenn Kinder in diesen Regionen mit einem Arbeitsverbot belegt werden, stellt sich die Frage was ihnen bzw. ihren Familien stattdessen angeboten wird. Angesichts der Armut steht Arbeit und Kindheit in manchen Teilen der Welt keinen Widerspruch dar. Kinderrechtsbewegungen fordern unter würdige Arbeitsbedingungen arbeiten zu dürfen.

Ist es "gut oder nicht", ist es "richtig oder nicht", den Kindern etwas abzukaufen?....aus deren Perspektive

Das erste mal wurde mir bewusst, dass das Thema Kinderarbeit gar nicht so eindeutig ist...

© Brigitte_S 24.11.2019