Couchsurfing 1

Ich surfe nicht, ich hoste nur, …wegen unseres kleinen Bauernhof‘s, ähh…. Gnadenhof‘s eigentlich…. Denn die lieben Tiere haben natürlich Anspruch auf gute Betreuung, diesen Anspruch kann Frau nicht einfach so an Jemanden abtreten bzw. muss sie überhaupt erst eine Person finden, die so viel unverplante Zeit übrig hat um den Hof zu schupfen und ach ja, Ziegen melken sollte sie auch noch können…. Aber das wäre jetzt sowieso eine andere Geschichte.

Also, ich hoste derzeit nur, ich surfe nicht, obwohl ich früher schon auch ziemlichen Geschmack am Reisen gefunden hatte ….

Jedoch , ich habe, nun seit Jahren schon, einen wunderbaren Reise -Ersatz gefunden >Travel without going there < Ich hole mir einfach die große weite Welt zu mir nach Hause.

Obwohl, der Beginn war gar nicht sooo prickelnd - und dies glaubte ich ja auch gut zu verstehen, denn, wer aus der großen weiten Welt will schon dringend in ein Kuhdorf am Rande der Alpen.

Angemeldet hatte ich mich übrigens auf CS genauso begeistert wie hier auf story.one - gleich nach einer Ö1 Sendung.

Es dauerte schlussendlich ganze fünf lange Jahre bis meine ersehnte erste Anfrage kam.

Hurra, aus meinem Traumland, ein Italiener ! A. der kein Wort deutsch kann und der mich, als erstbeste, angeschrieben hat, weil in meinem Profil steht, dass ich italienisch lerne u. ihn außerdem sein Chef gerade gezwungen hat, augenblicklich und weit genug weg auf Urlaub zu fahren, bevor irgendwas schlimmes passiert ???

Ups, meine sehr mangelhaften Sprachkenntnisse hatte ich damals vor 5 Jahren einzuplanen vergessen in meiner CS -Euphorie.

Mit Hilfe von Mr. Google habe ihm aber natürlich sofort zugesagt u dann betend auf sowas wie ein Sprachenwunder gehofft. Das dann beinahe wirklich eingetreten ist, denn irgendwo aus den Tiefen meines Sprachzentrums tauchten doch nach und nach wieder genug Italienische Worte auf. Es reichte sogar um mit meinem, übrigens sehr sehr netten ersten CS -Gast ein wenig über das Leben im Allgemeinen und auch im Besonderen philosophieren zu können...

A. als erster Gast wäre ja eine extra Geschichte wert, genauso wie eigentlich fast alle BesucherInnen bisher, die erstaunlicherweise ab dann, mal mehr, mal weniger, nun endlich doch hier im Kuhdorf eintrudelten.

Wiederum 5 Jahre später, also heute Sonntag, wasche ich gerade ein paar Maschinen mehr an Bettwäsche , aber egal, die Sonne liefert großzügigst den Strom dafür und das Wäsche aufhängen empfinde ich so gar nicht als Arbeit. Denn mein Kopf ist noch so voller spannender Eindrücke und den Storys meiner letzten Gäste: Die vier illustren TU Studenten die für ein Raumplanungsprojekt dieser Tage in der Gegend waren - P. der für einen Zivilcourage Workshop in der nahen Bezirksstadt zum 2. Mal angereist war - und das berührende Reise-Skizzenbuch des jungen Kunststudenten, der um diese Jahreszeit mit dem Fahrrad von Leipzig nach Venedig unterwegs ist, weil sein geliebter Professor dort einen Perspektivenzeichnen Kursus abhält….

© Caraflora