Das Leben ist ein Streichelzoo

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Das Leben ist ein Streichelzoo | story.one

Und dann wieder nicht, denn es kann gelegentlich – wie jetzt gerade - schon ganz ordentlich kratzen und zubeißen. Niemand kommt durch so ein Leben gänzlich unversehrt. Schrammen an Körper und Seele gehören einfach dazu. Aber im Großen und Ganzen bin ich doch recht zufrieden und komme von der hobbyphilosophischen Metaebene gleich wieder zurück in die Niederungen der Realität und damit auf den Punkt.

Zu den Tieren nämlich, den großen Tieren zieht es uns hin. Sie sind es, die uns faszinieren. Während andere ihre Urlaubsdestinationen nach der Anzahl antiker Stätten, der Höhe der Berge oder der Palmendichte am weißen Sandstrand auswählen, muss es für uns immer zumindest die Möglichkeit der Begegnung mit einem Großtier geben. Zu Lande oder zu Wasser. Die Big Five in Afrika, die Bengalischen Tiger in Indien, die unglaubliche Artenvielfalt der Galapagos Inseln, die Wale der Silverbanks in der Karibik oder die weißen Haie im Pazifik, vor der mexikanischen Insel Guadalupe.

Heute höre ich noch die Blätter rauschen, spüre den Savannenboden vibrieren und die Gänsehaut am Rücken, als „mein“ erster Elefant aus dem Unterholz heraus auf die Lichtung trat. Ein riesiger Bulle, gut 6.000 kg und eine Schulterhöhe von mehr als drei Metern. Das macht schon Eindruck.

Ich liebe den Löwen, den König der Tiere. Und natürlich die Löwinnen. Wir haben die sehr seltenen Nashörner gesehen und mächtige Büffel. Nilpferde rieben sich beim nächtlichen Landgang an unserer Zeltwand. Eigenartige Schnarchgeräusche, die ich zunächst nicht richtig einordnen konnte.

Am meisten von den großen Fünf zierte sich der Leopard, aber bei einer Kenia-Safari vor zehn Jahren kreuzte schließlich auch er unseren Weg. Nur für einen kurzen Augenblick und nicht so malerisch, wie es uns ein amerikanischer Mitreisender nach einer Flussfahrt vorgeschwärmt hatte: „There was a lepard on a tree, with it's tail hanging down...“, aber immerhin.

In Südafrika war es möglich, in einer Wildstation Geparden, Cheetahs, zu streicheln. Sehr rauh und stachelig fühle sich das Fell an. Hatte ich mir irgendwie weicher vorgestellt.

Gar nicht auf die Idee, auszusteigen und sie zu streicheln, brachten uns die bengalischen Tiger in Mittelindien, die dort in den Nationalparks ungehindert durch den Dschungel streifen. Bewundernswert, welche Ruhe und Gelassenheit diese majestätischen Tiere ausstrahlen, sich selbst von Safarijeeps nicht aus der Spur bringen lassen und zum Greifen nah an ihren Beobachtern vorbeischlendern.

Schnorcheln mit Buckelwalen und Käfigtauchen inmitten von Weißen Haien zählten zu den weiteren Highlights unserer spektakulären Tierbeobegegnungen.

Schon jetzt freue ich mich auf weitere exotische Reisen. Und weil Spontanentscheidung bei der Urlaubsplanung nicht so unser Ding sind, ist der nächste tierische Urlaub für 2023 bereits geplant und vorreserviert. Sicher ist sicher. Bis dahin sollte dann wohl auch die COVID-19 Krise abgeklungen sein.

© Caroline Kleibel 25.03.2020