Famous last words

Meine Kinder necken mich damit, obwohl es traurig ist. Sie meinen, man müsste meine Gesprächspartnerinnen und -partner warnen. Warum? Weil ich tatsächlich im Laufe meiner journalistischen Karriere mehr als einmal Menschen interviewt habe, die kurz nach unserem Gespräch verstarben. Deren letzte Worte ich, ohne es zu wissen, festhalten durfte. Manchmal war das nahende Ende absehbar, dann wieder kam der Tod völlig überraschend. Jedes Mal aber viel zu früh.

Valentin Pfeifenberger verstarb am 7. Juli 2004. Knapp davor hatte ich den Bischof vom Lungau in seinem Pfarrhaus in Thomatal besucht. Im Hinblick auf seinen 90er habe ich ein Portrait verfasst, voller Sprüche und Widersprüche. Der Text und ein Gedenkbüchl wurden zum Nachruf auf einen Unangepassten, der mit seinem alljährlichen Palmeselritt weit über den Lungau hinaus Bekanntheit erlangte.

„Gelacht hat der Voitl oft und gerne, sich mit den Fröhlichen gefreut und seine Freude geteilt. Er war aber auch streitbar und zuweilen recht eigensinnig“, hatte ich von einem Vertrauten und ehemaligen Schüler erfahren. Am gut gemeinten Versuch, ihn mit einem Präsent zu erfreuen, sei so mancher gescheitert: „Das Packerl blieb meist ungeöffnet am Tisch liegen, verschwand unter all den anderen Sachen, geriet in Vergessenheit und wenn es der Zufall wollte, bekam man es zu irgendeiner Gelegenheit zurück.“ Vielen klingt noch sein charakteristischer, trost- und vergebungspendender Spruch im Ohr: „Mein Segn habt`s“.

Ganz anders die Begegnung mit Anita Roddick, von der Queen zur "Dame oft the Britisch Empire" geadelte Gründerin des Kosmetikimperiums Body Shop. Mit ihr traf ich mich im noblen Hotel Bayerischer Hof in München. Schon bei der Begrüßung sprang der Funke über. Die beigestellte Dolmetscherin wurde auf einen Kaffee geschickt und unsere Plauderei ähnelte einem Gespräch unter Freundinnen, wiewohl ich größten Respekt empfand für ihre Leistungen. Vom Küchentisch in ihrem Haus in Brighton aus hatte die 1942 geborene Mutter zweier Töchter aus natürlichen Materialien Pflegeprodukte für Haut und Haare gefertigt, während sich ihr Mann eine zweijährige Selbstfindungsreise durch Südamerika gönnte. Der börsennotierte Konzern, der 2006 an L’Oreal verkauft wurde, umfasst weltweit mehr als 2.000 Geschäfte in 54 Ländern und zeichnet sich aus durch Einsatz gegen Tierversuche und für Fair Trade. Was die Menschenrechtsaktivistin mir und meiner Leserschaft mit auf den Weg gab war: „We are only limited by our own inspirations.“ Grenzen setzt uns nur die eigene Vorstellungskraft. Und der Tod, möchte man ergänzen. Anita Roddick verstarb kurz darauf, am 10. September 2007, an einer Gehirnblutung.

Und dann war da noch Lonesome George, die letzte Galapagos Schildkröte seiner Art, den ich am 1. Mai 2012 in seinem Gehege auf der Insel Santa Cruz zum Gespräch traf und der sich am 24.6. aus dem Leben verabschiedete. Ohne Nachkommen hinterlassen zu haben, was ihm persönlich egal war…

© Caroline Kleibel