Frühlingsgefühle

Seitdem ich Anfang der 80er Jahre zum Studium nach Salzburg kam, bin ich mehrfach übersiedelt. Die Umzüge leiteten mich in konzentrischen Kreisen im Jahr 1997 schließlich dorthin, wo ich immer schon hingewollt hatte, ins Andräviertel.

Die zähen Verhandlungen mit dem Universitätsprofessor, der wegen eines Lehrstuhls in Deutschland nur noch selten in seiner Salzburger Wohnung war, zogen sich. Nach Monaten meldete er sich mit der kuriosen Frage, was denn unsere Lieblingswandfarbe sei. Wie er denn nach einem Wasserschaden das Wohnzimmer ausmalen lassen sollte.... War das nun endlich das langersehnte Signal zum Verkauf? Mitnichten. Es dauerte ein weiteres Jahr, bis wir endlich in unsere Traumwohnung in dem Jahrhundertwende Ceconihaus einziehen konnten.

Ein Traum, die Wohnung. Eine Draufgabe, die Gartenbenützung. Ein kostbarer Schatz, das Grün vor der Haustür. Der kleine Stadtgarten ist Treffpunkt und Ruhepol zugleich im urbanen Viertel. Er ist gemeinschaftsbildend, wenngleich die Geschmäcker zuweilen auseinander gehen. Dürfen die Gartenmöbel aus Plastik sein oder geht nur Holz? Ist ein zerbrochener Sessel Sperrmüll oder mit seinem Moosbewuchs ein Kunstwerk der Natur? Und wer sitzt wo im Gemeinschaftsgrün? Auch die Zuständigkeiten mussten erst noch gerecht verteilt werden. Wer mäht den Rasen, schneidet die Sträucher, jätet das Unkraut? Und wer vergräbt im Herbst die Tulpenzwiebeln für eine Blütenpracht im Frühling? Anders als in der Küche verderben viele Gärtnerinnen und Gärtner nicht den Brei. Im Gegenteil. Durch das gemeinsame Tun erhält der Garten erst seinen Charme. Wenn alle zupfen und schnippeln, sähen und mähen entsteht ein kreatives Ganzes das je nach Jahreszeit grünt und blüht und gerade nach einem langen harten Winter mit aufkeimenden Frühlingsgefühlen belohnt.

Der Garten altert mit seinen Menschen und so wächst im wahrsten Sinne des Wortes Gras über den Platz, wo einst die Sandkiste stand und über den von wackeren Stockkämpfern zu knöcheltiefem Matsch zertrampelten Rasen. Dort der Baum, in dessen Rinde seit Langem eine abgebrochene Pfeilspitze steckt und da war doch gerade noch das Baumhaus, indem das Kind einst eine Übernachtung mit Freunden plante, ja vehement einforderte, bevor es dann vollkommen darauf vergaß. Ein Japanischer Teich samt Koi-Karpfen hätte angelegt werden sollen – sehr zur Freude der Nachbarskatzen – Schilf gepflanzt, das sich wohl unterirdisch auf das ganze Viertel ausgedehnt hätte. Ein Hochbeet zum Anbau von Gemüse und Kräutern.

Als Freiberuflerin kann ich mir keinen idealeren Ort zur Verbindung von Leben und Arbeit, Freizeit und Beruf vorstellen. Noch liegt Schnee, doch wenn ich daran denke, bald wieder unter dem hundertjährigen Kirschbaum zu sitzen, der mir federleicht seine weißen Blütenblätter aufs Manuskript streut, die mir helfen, meine Gedanken zu ordnen, bin ich mir ganz sicher, dass ich niemehr irgendwo anders Wurzeln schlagen möchte.

© Caroline Kleibel