Bill Clinton: "Hello again!"

Als Freiberuflerin habe ich immer wieder für Agenturen gearbeitet, die mich allesamt meist erst dann als Texterin ins Team holten, wenn bereits Feuer am Dach war, die Deadline abgelaufen und die Kundschaft langsam ungeduldig geworden war. Ablehnen war unmöglich, schon allein aus Rücksicht auf den guten Ruf in der Branche. Und doch gab es rote Linien und No Gos. Die Ferienzeiten meiner Kinder waren sakrosankt. Alle Aufträge immer kategorisch abzulehnen. Immer. Bis auf einmal.

Aufregung war spürbar in der Stimme der Agenturchefin. Ich sollte bitte wieder einmal aushelfen. In der Osterwoche. Unmöglich! Auch nicht, wenn es sich um wen ganz besonderen handelte? Wer hätte je so besonders sein können, um meine Kinder auszubooten, die sich schon lange aufs gemeinsame Ostereierfärben mit mir, die nahende Ankunft des Hasen und das Nesterlsuchen freuten? Da zog meine Auftraggeberin ihr Ass aus dem Ärmel: "Was, wenn wir für Bill Clinton arbeiten sollen?" Vergessen waren alle guten Vorsätze, die bunten Eier und der Osterhase. So eine Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen und zu schnappte die Falle.

Es stellte sich heraus, dass ein bekannter Ischgler Hotelier und Eventzampano den gerade erst aus dem Amt geschiedenen 42. Präsidenten der USA für eine Message from the Mountains an die Jugend Europas als Gastredner in seinen Glaspavillon auf der 2.300 Meter hoch gelegenen Idalpe eingeladen hatte: „Keinen schöneren Ort hätte man mir anbieten können“, waren denn auch die ersten Worte der Rede des einst mächtigsten Mannes der Welt. Der ersten Rede, die er laut eigener Aussage je auf einer Skipiste gehalten hatte. Das Glasstudio sei für ihn Symbol der Offenheit, lobte er die Idee und das außergewöhnliche Ambiente. Und genau hier war unser PR-Einsatz geplant.

Um die Kids über meine vorösterliche Abwesenheit hinweg zu trösten, waren wir für ein Wochenende nach Disneyland Paris gefahren und den Eintrittsausweis, eine eingeschweißte Plastikkarte an einem schwarzen Bandl, hatte ich mir, man konnte ja nie wissen, vorsichtshalber aufbehalten. Sie ins Tiroler Paznauntal mitgenommen. Zum Spaß.

Geheimdienstmitarbeiter samt Hunden bereiteten schon Tage im Voraus den Aufenthalt des Ex-Präsidenten minutiös vor. Als Journalistin war ich sowohl in die Vorbereitungen und Übersetzung der Texte des Gastgebers als auch in die Berichterstattung über den Event eingebunden. Die Stimmung war gut, locker, gelöst. Nicht ganz ernsthaft zeigte ich meinen Disneyland Ausweis vor und meinte, das sei mein „pass to the president“. Heiterkeit. Dann aber machte sich plötzlich doch Hektik breit, als der Präsidentenhubschrauber zu den martialischen Klängen von "Also sprach Zarathustra" einflog. Und so schaffte ich es mit meiner gelben Mickymaus Akkreditierung tatsächlich, in den VIP-Bereich zu gelangen. Bill Clinton kam mit ausgestreckter Hand auf mich zu und begrüßte mich mit einem freundlichen „Hello again!“.

© Caroline Kleibel