Murphy's Law

So viel vorweg: Wenn schon krank, dann hier. Hier gibt es die kompetentesten Ärztinnen und Ärzte, das (mit Ausnahme der onkologischen Tagesklinik) bestausgestattete Krankenhaus, die größtmögliche Nähe zu daheim. Alles, was zum Gesundwerden beiträgt. Und selbst hier, unter den besten aller Rahmenbedingungen, gibt es sie, die kleinen Hoppalas und Unzulänglichkeiten.

Vor Beginn der ersten Chemotherapie wurde mir unterm rechten Schlüsselbein ein Portkatheter, kurz „Port“, als dauerhafter Venenzugang implantiert. Das machte die lästige Stecherei in meine ohnehin schwächelnden Armvenen unnotwendig. Funktionierte gut, bis sich das Teil vor der allerletzten Chemo entzündete und notentfernt werden musste. In der Folge kam es zu einer Perforierung des rechten Lungenflügels und ich sollte, um diesen wieder aufzublasen, an eine Art Pumpe angeschlossen werden. Im OP wurde alles vorbereitet. Im letzten Drücker merkte ich, dass man sich meiner linken Seite widmete. Empört entfuhr es mir: „Kennen Sie Murphys Law? All that can go wrong will go wrong! Zuerst der entzündete Port, dann der Lungenstich und jetzt auch noch diese Verwechslung!“ Betretenes Schweigen. Danach ging alles gut, solang, bis der Blasebalg nach wenigen Tagen wieder entfernt werden sollte. Das übernahm ein Träger, der mich beim Transport mitsamt dem Bett so heftig gegen den Türstock rammte, dass der Schlauch ausriss. Die Wunde musste dann nur noch mit ein paar Stichen genäht werden…

Durch das Rezidiv zwei Jahre später wurde erneut ein Port fällig. Rechts ging nicht mehr, weil vernarbt. Und links, erklärte man mir, sei der Eingriff um einiges komplizierter. Dennoch entschied ich mich für eine Sedierung anstatt einer Vollnarkose. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit. Endlich fertig, wurden die Pfleger angewiesen, mich ganz vorsichtig zu verlagern und ich dürfe mich keinesfalls bewegen. Beschwingt meinte der Transportzivi: „Fahr ma wieder auf d' Station, Frau Kretschmer!“ Wie bitte? Man hatte mich tatsächlich ins falsche Bett, unter die falsche Decke, aufs falsche Leintuch buxsiert. Wie unhygienisch! In meiner Erregung empfahl ich einen Kurs „Lesen für Pfleger“, wiedereinmal betroffene Gesichter. Im richtigen Bett, auf der richtigen Station ging die Farce munter weiter. Die Schwester brachte mir das Stationstelefon. Mein Mann hatte angerufen. Diskret entfernte sie sich. Nach einem kurzen Gespräch wollte ich nur noch schlafen. Da läutete das Telefon. Jemand erkundigte sich nach einem Befund. Kurz darauf wieder und wieder. Mein Bett stand noch in der Zimmermitte, nicht angeschlossen an die Glocke. Ich durfte mich nicht rühren und konnte mich nicht bemerkbar machen. In meiner Not rief ich in der Telefonzentrale an und bat, jemanden heraufzuschicken. „Moment, ich verbinde… Tut mir Leid, da wird gerade gesprochen…“ „Nona, mit mir! Ich hab ja das Stationshandy!“ Jetzt fiel der Groschen und ich wurde von meinem Telefondienst entbunden.

© Caroline Kleibel