Oh, wie schön ist Canada

Schon klar, das soll - frei nach Janosch - eigentlich "Panama" heißen, aber dazu kann ich wenig sagen. Dort war ich nur einmal kurz. Am Flughafen, bei einer nächtlichen Notlandung. Unterwegs nach Costa Rica war dem Flieger der Sprit ausgegangen. Damals war die Situation nicht dazu angetan, viel vom Land mitzubekommen. Wird schon schön sein.

Von Canada, ich schreibe das immer bewusst mit „C“ wie Caroline, hab ich mir über die Jahre selbst ein authentisches Bild machen können. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, dass das Land schön ist. Natürlich habe ich nur einen winzigen Teil des zweitgrößten Flächenstaates der Welt gesehen. Aber pars pro toto: Nova Scotia, die beschauliche Halbinsel im äußersten Osten, vor der Küste von Maine, wohin es uns mindestens einmal im Jahr zieht, ist unvergleichlich schön. Atlantic Canada. Die waldreiche Region exportiert Christbäume, Heidelbeeren und Ahornsirup und hat in ihrer unaufgeregten Bescheidenheit viel vom Flair der 50er Jahre.

Meine Söhne sind Sommer für Sommer praktisch hier aufgewachsen, haben in „unserem“ See schwimmen gelernt, fischen, Kanu fahren… Wir lieben das Fleckchen Erde, fühlen uns als halbe Canadier und genießen unsere Auszeit in der unberührten Wildnis. Aber wie ist es zu dieser ungewöhnlichen Liaison gekommen? In einem Anflug von Abenteuerlust hat mein Vater seinerzeit dieses Stückchen Land erworben. Der ursprüngliche Gedanke, einfach nur Wald als Wertanlage zu kaufen, wurde unterlaufen von einem findigen Immobilienmakler, der nicht nur Büsche und Bäume, sondern auch Wald mit einem fast fertiggestellten Haus samt Seegrundstück im Angebot hatte. Die Kosten waren erschwinglich, die Bürokratie, an unseren Maßstäben gemessen, ein Spaziergang. Als im Lauf der Jahre die Möglichkeiten, Zuneigung und Interesse meines Vaters zu seinem canadischen „Bodenschatz“ etwas abkühlten, die Preise ausgehend von der Immobilienkrise in den USA ins Bodenlose fielen und die Frau an seiner Seite aus Angst vor Bären dort nicht hinwollte, ging die Liegenschaft mit aller Last und Lust an uns über. Zwar gibt es schickere Ferienorte, mondänere Hideaways und leichter erreichbare "Wochenendhäuser". Aber eines können diese allesamt nicht bieten: Erinnerungen. In diesem Sinne haben wir mit unserem Sunset Cottage am Lake LaRose ein Stück Familiennostalgie übernommen. Gefühle und Gedanken daran, als die Kinder noch klein waren, hier mit ihren mitgebrachten Freunden spielten und spannende Abenteuer erlebten. Wie sie im Heranwachsen ihre Kreise sukzessive erweiterten, die Umgebung erforschten und sich wie James Fenimore Coopers Lederstrumpf fühlten.

Unser treuer Housekeeper Murray hat gerade gefragt: „When are you coming home?“ Genauso fühlt es sich an, wie Heimkommen. Unser mittlerweile erwachsener Sohn ist im August 2019 von hier zu einer einjährigen Weltreise aufgebrochen. Sein Fernweh verstehe ich gut. Und doch freue mich jetzt schon auf seine Heimkehr.

© Caroline Kleibel