Schitour. Erste und Letzte

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Von Tirolerinnen und Tirolern meint man ja gemeinhin zu wissen, dass sie schon mit angeschnallten Bretteln an den Füßen auf die Welt kämen. Bei mir war das ganz anders. Schon allein aus Rücksicht wollte ich meiner Mutter so eine Brettlgeburt nicht antun...

Folglich hab ich, weil was Hänschen nicht lernt, das Schifahren nie richtig für mich entdeckt und dem Schneesport mittlerweile überhaupt ganz abgeschworen. Eine gute Ausrede dafür sind meine beiden künstlichen Hüften, die im Verletzungsfall… Aber das mag ich mir gar nicht vorstellen. Dass die Chemotherapie meine Hüftknochen weggefressen hat, das ist eine andere Geschichte.

Jedenfalls halte ich mich inzwischen strikt an das churchillsche Motto „No Sports“, konkret „No Wintersports“. Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß. Dazu kommt, dass ich trotz meiner Tiroler Herkunft ohnehin nie eine echte „Schneekanone“ war. Sie gefällt mir schon, die weiße Pracht, aber deshalb muss ich mich ja nicht gleich hineinfallen lassen.

Dieses respektvolle Abstandhalten war wohl schon im Kindesalter angelegt, Schneeballschlachten das höchste der Schneegefühle. Meine Großmutter und meine Urgroßtante, bei denen ich abwechselnd aufgewachsen war, gingen bei Schneefall sicherheitshalber erst gar nicht aus dem Haus.

"Ich mag das nicht. Ich kann das nicht." Mit zehn Jahren, an meinem ersten Schischultag, fiel ich - in selbsterfüllender Prophezeiung - prompt aus dem Schlepplift und brach mir das Schlüsselbein. Die Saison war damit gelaufen. Irgendwie war ich auf Schiern immer nur Beifahrerin. Und die Angst fuhr mit.

Das Schicksal wollte es, dass ausgerechnet ich Antischneemensch 1987 in eine Familie einheiratete, die im Winter jede freie Minute auf den Pisten und abseits davon verbrachte, um in reiner Bergluft dem Linzer Smog zu entkommen. Dass ich als Tirolerin so wenig schiaffin war, wollten sie schleunigst beheben.

Ausgerüstet mit den Tourenschiern meiner Schwägerin, mit Schuhen, Fellen und Harscheisen (was für ein Wort!) machten wir uns auf den Weg ins Steirische Ennstal, um gemeinsam auf die Mörsbachalm in Donnersbachwald aufzusteigen. Unzählige Winter hatte meine Schwiegerfamilie in der Bergeinsamkeit auf der hinteren Mörsbachhütte ohne Strom und Wasser zugebracht. Quell wunderbarer Erinnerungen. Sie kannten die Gegend und das Gelände gut. Es sollte für mich ein möglichst sanfter Einstieg werden. Der Aufstieg war denn auch ganz ok. Konditionell war ich mit meinen Mitte zwanzig ja gut aufgestellt. An der Technik happerte es halt. Bei der Abfahrt kreuzte ich beherzt die Piste von der einen zur anderen Seite. Und darüber hinaus bis in den Wald. Dort schnallte ich ab, drehte um, schnallte die Schier wieder an und so weiter. Nie im Leben hätte ich es gewagt, im Tiefschnee einen Stemmbogen zu fahren. Es dauerte ewig, bis ich im Zickzack auf diese fragwürdige Art und Weise den Hang bewältigt hatte. Und so war denn auch meine erste Schitour zugleich meine letzte. Sorry!

© Caroline Kleibel