"Sie haben gewonnen!"

"Congratulations. You won!" Nicht schon wieder, denke ich, und versenke mit einem Klick die elektronische Jubelbotschaft im Papierkorb. Immer diese Spams, die gegen eine Einmalzahlung märchenhafte Gewinne versprechen. Mein Erstaunen ist groß, als sich wenig später die Herausgeberin meines „Trapp Kochbuchs“ freudig aufgeregt meldet: „Was sagst du? Wir sind auf der Shortlist. Unter den ersten vier als bestes Frauenkochbuch der Welt!“

Nur gut, dass der Papierkorb geduldiger ist als ich und das voreilig Verworfene noch da ist. Immer noch nicht restlos überzeugt, hole ich das Schreiben wieder aus der virtuellen Versenkung: „World Cookbook Award…, seit 1995…, Edouard Cointreau… - den Namen hab ich schon gehört, gelesen, geschmeckt -, die weltweit besten Bücher über Essen und Trinken…, 6.000 aus 136 Ländern.“ Und das „Trapp Kochbuch“ hat in der Kategorie „Best Woman Chef Cookbook of the World 2010“ tatsächlich Einreichungen aus Frankreich und Spanien hinter sich gelassen und geht gegen Titel aus Australien oder Kolumbien ins Rennen. Die Preisverleihung findet Anfang März 2011 in Paris statt. Um die letzten Bedenken, hier einem PR-Gag aufzusitzen, auszuräumen, wende ich mich an das Österreichische Kulturinstitut in Paris. Die wertschätzende Rückmeldung zerstreut endgültig alle Zweifel. Die Veranstaltung ist renommiert, der Preis real und Paris allemal eine Reise wert. Zudem lädt das Kulturinstitut für den Abend vor der Gala zu einer Lesung. Gerne nehmen wir an. Die Herausgeberin, erblich begnadete Hobbyköchin, „ORF Frisch gekocht-Siegerin“ und Enkelin der Trapp-Köchin Johanna Raudaschl, die deren reichen Rezepteschatz zeitgemäß aufbereitet hat. Ich als Journalistin und Biografin, die den wahren Geschichten hinter „Sound of Music“ nachgespürt und sich immer schon gefragt hat, ob es im Hause Trapp wirklich „Schnitzel with Noodels“ gab.

Die 1.200 Sitzplätze im plüschigen Theatre Les Folies Bergere sind bis auf den letzten gefüllt. Sieben Fernsehstationen berichten, auch die „Seitenblicke“. In zweieinhalb Stunden feiert sich die Gourmet-Branche selbst, man kennt sich, die Euphorie ist enden wollend. Pragmatisch und ohne Showeffekte bitten zwei Generationen Edouard Cointreau Preisträger um Preisträger auf die Bühne. Deren Reden beschränken sich auf Dank in allen Landessprachen. Österreichisch ist an diesem Abend nicht darunter. Für uns bleibt es bei Platz 4. Unser Eindruck: Die haute cuisine ist nach wie vor weitgehend maskulin, was sich darin man(n)ifestiert, dass bei den „Best Chef Cookbooks“ alle vier Nominierten auf die Bühne kamen, während bei den besten Köchinnen nur die siegreichen Kolumbianerinnen für einen Augenblick im Rampenlicht stehen durften. Was bleibt ist die Freude, es überhaupt zu einer Nominierung gebracht zu haben. Ist doch ein Kochbuch nach Paris zu tragen fast so wie Eulen nach Athen. Und noch ein antikes Prinzip drängt sich auf, das Olympische: Dabei sein ist alles!

© Caroline Kleibel