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Wicki, Slime und... Lohner

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Wicki, Slime und... Lohner | story.one

Sie hat einen festen Platz in unserer kollektiven Vorstellungswelt. Ihr Gesicht, ihre Stimme, ihre Frisur haben sich eingeprägt. Mehr als kurios unsere erste Begegnung. Journalistinnenkongress. Natürlich erkannte ich den roten Haarschopf schon von Weitem. Groß mein Erstaunen, als sie auf mich zustartete. Offenbar stand ich günstig, denn sie bat mich unbekannterweise, kurz auf ihr Handtascherl aufzupassen. Sie hatte es eilig, um nicht zu sagen höchste Eisenbahn. Ich hütete die Tasche wie den heiligen Gral. Zurück bedankte sie sich überschwänglich. Wir kamen ins Gespräch und stellen fest, dass wir beide nach der Matura ein AFS Austauschjahr in den USA verbracht hatten. Für sie wie für mich, war das damals eine Sensation gewesen und sehr prägend für das weitere Leben. Die aufkeimende Vertrautheit nützte ich, um sie für den nächsten Tag ganz offiziell um einen Interviewtermin zu bitten.

Mit Chris Lohner in einem Wiener Cafe zu sitzen und zu plaudern, lässt ein wenig davon erahnen, was es heißt, so bekannt zu sein. "Das Gefühl von 1000 Nadeln“, beschreibt sie selbst diese Blicke. „Manche genießen es, in der Öffentlichkeit zu stehen. Ich nicht, es gehört einfach dazu. Das ist mein Publikum, die Leute haben mich angenommen. Ich habe mich mit meinem Beruf auf diese Wechselwirkung eingelassen und muss das auch zurückgeben. Ich weiß, dass ich beobachtet werde, man wird vorsichtiger, aber deshalb nicht minder spontan.“

Nach ihrem USA-Jahr 1961 studierte sie Schauspiel. Als Fotomodell finanzierte sie ihr Studium und sie gab Englischunterricht. Ein Engagement an die Josefstadt nach Abschluss ihres Schauspielstudiums lehnt sie ab, war doch das Modellbusiness um vieles lukrativer. Sieben internationale Jahre folgten - in der Schweiz, in Italien, Deutschland und Frankreich: „Paris 1968, das war eine turbulente Zeit.“ Mit 29 hörte sie auf zu modeln. Durch eine Rolle in einem Marek-Krimi knüpfte sie erste Kontakte zum ORF. Eine Sprecherin wurde gesucht. Sie bewarb sich und bekam den Job. Als „Programmansagerin“ erlangte sie Kultstatus. Kompetent und bestens vorbereitet führte sie durch Sendungen wie „Österreich-Bild“ oder „WIR“, moderierte bei Ö3 und 3-SAT, wirkte in internationalen Fernseh-Shows und Unterhaltungsprogrammen mit und war Star in den TV-Serien "Kottan ermittelt" und "Tohuwabohu". Sie arbeitete als Journalistin, schrieb Bücher und ist seit Jahrzehnten die Stimme der ÖBB: „Vorsicht Gleis neun, Zug fährt ab...“

Es freute sie, nicht mehr auf ihr Aussehen reduziert zu werden, darüber, dass man statt ihres Hinterns ihr Hirn entdeckte. Durch ihre Bücher entstanden Synergien. Sie wurde als Moderatorin für die Bereiche Wirtschaft und Wissenschaft geholt, zu Gesprächen mit Pavel Kohout, Neil Postman, Viktor Frankl oder Lech Walesa. Omnipräsent.

Da wundert es nicht, dass, als mein Zug von Wien in Salzburg ankommt, sie – so wie in der Geschichte vom Hasen und dem Igel – bereits da ist: „Vorsicht, Gleis neun".

© Caroline Kleibel 2020-07-02

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