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Karriere, Kind & Karma

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Karriere, Kind & Karma | story.one

"Was möchten sie 2020 erreichen?", fragt mich Anfang Januar mein neuer Jahreskalender. Ich schlucke und blättere lieber zu der Seite mit den Geburtstagen. Ein paar Nächte später liege ich wach im Bett und frage mich selbst: Wo möchte ich beruflich hin? Wenn nichts eine Rolle spielen würde, weder Geld noch Wohnort – ja nicht einmal meine Familie (über die ich sehr glücklich bin). Nur einmal angenommen, dass alles möglich wäre. Was würde ich tun?

Eine Antwort finde ich in dieser Nacht nicht. Ich mag es Grafikerin zu sein, keine Frage. Aber möchte ich mich damit wieder selbstständig machen? Es fehlt mir mit meinen Händen zu arbeiten. Ich meine so richtig. Zeichnen... Illustratorin? Bin ich dafür gut genug?

Und dann fällt mir etwas ein. Etwas, wofür ich mir oft schon "in den Hintern gebissen" habe, es als Berufswahl nie auch nur in Betracht gezogen zu haben: das Schreiben. Meine Art, tatsächlich zu sagen, was ich meine. Ohne nachzudenken. Im Flow sein.

Aber wie anstellen? "Hallo, hier bin ich! Wer will, wer hat noch nicht? Kommen Sie und kaufen Sie bei der Wortakrobatin!" ... wohl eher nicht. Also beschließe ich, zwischen meinem, links von mir schnarchenden Mann und meinem rechts von mir schlafenden Baby, erst einmal nichts. Lasse die Ungewissheit so stehen.

Ein paar Wochen vergehen als ich ganz überraschend einen Anruf bekomme. Eine Firma, die meinen Blog entdeckt hat, fragt mich, ob ich als Freelancerin für sie schreiben wolle. Ich fühle mich geschmeichelt, aufgeregt und – ganz ehrlich – verdammt stolz. Natürlich verspreche ich, mir das Angebot durch meinen Kopf und den Taschenrechner gehen zu lassen. Wenn sich das rechnet, bin ich auf jeden Fall dabei!

Aber noch während ich, zu einer Selbstständigkeit als Texterin recherchiere, merke ich: Das wird nichts. Nicht weil das Angebot nicht toll wäre, nicht weil ich nicht richtig Bock darauf und bereits viele Ideen hätte. Sondern weil es eben doch zählt, das alles.

Weil ich es als Privileg sehe, meinen Sohn bis zum Kindergarten zu Hause begleiten zu dürfen. Weil für ihn seine ersten drei Lebensjahre so so viel sind, doch mich die Zeit einfach nur ein bisschen älter machen wird. Diese noch knapp 1.5 Jahre meines Kindes bei ihm zu sein, das ist es nämlich, was ich wirklich möchte.

Ich rufe also zurück, bedanke mich, sage ab und habe doch irgendwie ein komisches Gefühl. Ich, die ich nicht an Karma glaube, habe plötzlich Angst, dass das Universum mir eine auf den Deckel geben wird. Als ich das meinem Mann gestehe, lacht er. "Blödsinn! Wenn schon, sagt dir das Universum, dass du auf dem richtigen Weg bist. Dass es deiner ist. Dass du dabei bleiben sollst – bis die Zeit für dich reif ist."

Und ich beschließe, dass es o.k. ist, dass meine Herzensaufgabe gerade nicht Karriere heißt. Sondern auf zwei Beinen um mich herumrennt, mir manchmal den letzten Nerv raubt und doch genau der Ort ist, an dem ich gerade sein möchte.

© CelineClaire 2020-04-06

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