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Protest contra Profession

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Protest contra Profession | story.one

Um beim Protestmarsch von Salzburg nach Zwentendorf ohne unangenehme Folgen mitmarschieren zu können, im Juni 1977, musste ich bei meiner Professorin für Leibesübungen vorsprechen. Ich würde nämlich durch die etwas längere Abwesenheit nicht genügend Teilnahme an Seminarstunden im letzten Semester vorweisen können. Der Protestmarsch kam für mich überraschend, spontan und kurzentschlossen wusste ich: "Da muss ich dabei sein!" Mit meiner Zeit war ich großzügig umgegangen und hatte jetzt keinen Spielraum mehr.

Vielleicht war ich nicht gerade die engagierteste aller Studentinnen, ganz bestimmt war ich das nicht. Zumindest was das Studium betrifft. Ich war noch keine 20, hatte hunderttausende Themen im Kopf, unter anderem auch das Freibad in der Alpenstraße, das damals -nebenbei bemerkt- schon am 1. Mai geöffnet und ausgesprochen gut besucht war.

Vielleicht genierte ich mich insgeheim ein wenig wegen dieser Umstände und vielleicht war auch der verräterische Sonnenbrand Hemmschuh für die beabsichtigte Bittstellerei bei Frau Professor. (Ihr Name ist der Autorin noch bekannt!) Aber was sein muss, muss sein. Unter gar keinen Umständen hätte ich den Protestmarsch versäumt. Galt es doch, Österreich vor der Inbetriebnahme eines Atomkraftwerkes zu bewahren! Das Ziel des Gesprächs war nun, den Schaden für meinen Studienverlauf möglichst gering zu halten und vor allem den Abschluss nicht zu gefährden.

Also war ich bereit, mich der Auseinandersetzung zu stellen, vorwiegend mit Argumenten, warum denn Zwentendorf zu verhindern sei und ich deswegen … Abgesehen davon sei so ein langer Fußmarsch auch eine sportliche Leistung und obendrein sei mindestens einmal schwimmen in der Donau geplant.

Frau Professor ließ mich ausreden. Sie konnte gut zuhören und war ausgesprochen korrekt: Eine disziplinierte Sportlehrerin eben.

Ganz ehrlich – ich kann mich nicht an ein einziges konkretes Wort erinnern, obwohl ich redete wie ein Wasserfall. Unvergessen ist mir aber das amüsierte, wohlwollende, verständnisvolle, fast verschwörerische Blitzen in ihren Augen, mit dem sie mein Engagement unterstützte – ohne Wenn und Aber.

Danke, Frau Professor! Die folgenden Wochen und Monate bewiesen, dass die Antiatomkraftbewegung in Österreich sehr, sehr erfolgreich war.

© Charly 22.05.2020

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