A echta Weana geht net unta

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A echta Weana geht net unta | story.one

“Ich soll zu meinen Mitschülern freundlich sein und keine ordinären Schimpfwörter sagen“, stand da in meinem Mitteilungsheft, das ich nun meiner zornigen Mutter unter die Nase hielt. „Was für ein Schimpfwort?“ wollte sie wissen. „Sag ich nicht!“, verweigerte ich die Antwort, die Konsequenzen erahnend. Widerstand war allerdings zwecklos. „Sag mir sofort, was du gesagt hast!“, bestand sie auf eine Antwort. „Orschloch!“, gab ich kleinlaut zu. Das hatte gesessen und die erste und einzige Ohrfeige meines Lebens, die darauf folgte ebenso.

Bei uns zu Hause waren Schimpfwörter Tabu. Doch dann trat der Mundl auf den Plan. Und so manches wurde salonfähig.

„Ein echter Wiener geht nicht unter“ war DIE Kultserie der 1970er Jahre. Stand am Abend die Familie Sackbauer auf dem Programm, war ganz Wien aus dem „Häusl“, Fans und Gegner im Schicksal vereint. Während mein Vater und ich uns über „des Nudlaug“, die diversen Trottln und die angedrohten „Watschn, doss da 14 Tog da Schädl wocklt“ vor Lachen zerkugelten, echauffierte sich meine Mutter fürchterlich über „den primitiven Dreck“, wie sie ihn nannte. Das restliche Österreich war wahrscheinlich einfach nur sprach- und fassungslos.

25 Jahre später beschlossen meine Freunde (aus den Bundesländern) und ich eine Mundlparty zu veranstalten. Wir wollten uns Sackbauer-mäßig einkleiden, uns einige Folgen auf Video ansehen, ein paar Bierflaschen auf Mundlart köpfen und eventuell noch einen Böller ins Gegenüberhaus schießen.

Die Party sollte bei meinem Studienfreund Peter L. stattfinden, der irgendwo in der Nähe des Gürtels wohnte. Peter T. sollte ich am Gürtel mit dem Auto auflesen. Bei meiner Verkleidung dürfte ich es wohl ein wenig übertrieben haben. Bald stellte sich nämlich heraus, dass ich weniger Ähnlichkeit mit Irmi Sackbauer hatte, sondern vielmehr mit einer Gürtel Nutte. Themenverfehlung sozusagen.

Da stand er also, der Peter und wartete, pünktlich wie immer: „Steig ei, Oida!“, rief ich ihm, uns auf den Abend einstimmend, zu. Doch der Peter rührte sich nicht vom Fleck, sondern blickte beschämt in die andere Richtung! „Heast Oida! Bist derrisch und schaßaugat, oda wos?“ Keine Reaktion. Spinnt der jetzt, oder was? Was ist los mit dem? „Geh Karli, Schatzerl, wüst du net zu deiner Irmi ins Auto steign, auf a Pantscherl?“ Na endlich reagierte er! Ein schneller Blick nach links und rechts. Lugte da vielleicht irgendwo ein bekanntes Nudelaug hinter einem Eck hervor? Ein Hechtsprung ins Auto. „Sag einmal, bist du wahns…“ Dann grunzte er nur noch Unverständliches und krümmte sich vor Lachen.

An jenem Abend haben wir der Familie Sackbauer alle Ehre gemacht. Vielleicht haben wir tatsächlich einen Böller ins Gegenüberhaus geschossen. Ich weiß es nicht mehr. Der Alkohol floss in rauen Mengen und so manche Gehirnzelle dürfte im Zuge dessen das Zeitliche gesegnet habe. Was immer an jenem Abend auch passiert sein mochte, eines war für uns alle jedoch (bier)glasklar: „Mia woan des net!“

© Christa