Ende gut, alles gut... in Südtirol

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Ende gut, alles gut... in Südtirol | story.one

„Pack jetzt bitte endlich deine Siebensachen zusammen!“, ermahnte ich meinen 12-jährigen Sohn am Abend vor unserer Abreise nach Südtirol. Genauso gut hätte ich mit unserer Bananenpflanze sprechen können, die Wirkung wäre dieselbe gewesen, nämlich gar keine. „Ich geh noch schnell runter zur Donau Trampolin springen!“ rief er und weg war er.

Nach einer halben Stunde kam er mit Tränen in den Augen, geschwollenem Fuß, auf seinen Freund gestützt angehumpelt. „Ich glaub, ich hab mir weggetan, beim Rückwärtssalto,… aber es ist nicht so schlimm.“ Was folgte, war ein Tobsuchtsanfall der Sonderklasse. Meinerseits, wohlbemerkt.

Am nächsten Morgen: „Na dann probier mal aufzutreten!“ Ein lauter Schrei. Also schnell die Krücken hervorgekramt und ab ins Lorenz Böhler Unfallkrankenhaus. „Jetzt schicken wir den jungen Mann erst einmal in den Gipsraum und dann…“ Normalerweise bin ich hart im Nehmen und ziemlich Krankheits-, Unfall- und Spitals-erprobt, aber nun schossen mir die Tränen in die Augen. „Hysterische Funsn" wird wahrscheinlich noch das Harmloseste gewesen sein, was sie mich drinnen geheißen haben, als wir wieder bei der Tür draußen waren.

Nun standen wir vor einigen Herausforderungen: Wie bringen wir diese Hiobsbotschaft unseren Reisbegleitern, meiner Freundin und ihrem Sohn bei? Wie übersteht mein Sohn eine 7-stündige Autofahrt mit frisch gebrochenem Fuß, der immer mehr anschwoll und hochgelagert werden musste? Wie gestaltet man einen Wanderurlaub mit Gips und Krücken? Eines war jedoch von Anfang an klar: Zu Hause bleiben wir sicher nicht!

In Rekordzeit düsten wir zuerst nach Kärnten. Dort Stärkung und Übernachtung bei den Eltern meiner Freundin. Am nächsten Tag weiter nach Südtirol. Ab diesem Zeitpunkt waren wir dann im Paradies, mit dem Schicksal wieder versöhnt und versuchten das Beste aus der Situation zu machen.

Seilbahnen sind eine grandiose Erfindung, sie erleichtern den Aufstieg auf einen Berg, vor allem mit Gipsfuß, ungemein. Auf dem Kronplatz ein atemberaubendes Panorama soweit das Auge reicht. Auch auf einem Berg darf man einfach nur im Gras sitzen, die Seele baumeln lassen, den Paragleitern zusehen und die herrliche Bergkulisse genießen.

Sommerrodelbahn auf dem Klausberg – eine Mordshetz und kein Problem mit Gipshaxn!

Bootsfahrt am türkis schimmernden, wildromantischen Pragser Wildsee, mit zwei jungen Herren, ganz wild drauf, uns Damen über den See zu rudern. Ruderboote bergen den großen Vorteil, dass sie ausschließlich mit den Armen zu bedienen sind.

Einen Tag durfte der junge Mann, dessen Hände vom vielen Krücken Gehen schon schwer in Mitleidenschaft gezogen waren, im Hotel bleiben und sich vom Hotelpersonal verwöhnen lassen, während wir zu einer richtigen Bergtour aufbrachen. Ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

„War das ein grenzgenialer Urlaub!“ waren wir uns alle einig, als wir nach einer Woche glücklich und reich an neuen Eindrücken die Heimreise antraten.

© Christa