Schlaflos in Zell am See

War das eine tolle Zeit in Malaga! An den Vormittagen quälten wir uns noch pflichtbewusst und schlaftrunken durch den Sprachkurs, ab Mittag aber genossen wir nur noch Sonne, Strand, Meer, Fiesta und Sangria. Und dann war da dieser Ueli aus der Schweiz. Was habe ich für den geschwärmt! Ich, die auf rassige Südländer abfährt, verknalle mich in einen kleinen, blauäugigen Schweizer mit Riesenbrille. Genug rassige Spanier hätte es ja gegeben in Malaga. Aber nein, ich hatte nur Augen für den Ueli! Ich mochte den Ueli einfach und der Ueli mochte mich, aber mehr auch nicht. Heute kann ich es ihm nicht verdenken. Mit dem Pumukl (dem ich damals ein wenig ähnlich sah) hätte ich mir auch nichts angefangen.

Ein Jahr nach unserer Spanien-Zeit schlug mir der Ueli ein Wiedersehen vor, irgendwo in der Mitte zwischen Wien und St. Gallen. „Wie wär’s denn mit Zell am See?“ meinte mein Studienfreund Peter aus Zell am See. Der Ueli war einverstanden. „Na dann viel Spaß!“ zwinkerte mir Peter im Jänner 1991 am Westbahnhof zu. Er hatte in einer Pension ein Zimmer für uns gebucht. EIN Zimmer klarerweise, denn wir waren Studenten und folglich arme Schlucker.

Mein Zug war drei Stunden früher da. In der Pension angekommen, zeigte mir die nette Wirtin das Zimmer. Ups! Ein romantisches Zimmer mit einladendem Doppelbett. Ich schluckte. Ob das gut ankommen würde beim Ueli? Sollte ich es wirklich wagen, im Schlaf einfach hinüberrollen, versehentlich, und darauf hoffen, dass sich etwas in ihm regt?

„Da haben wir ein kleines Problem.“ hörte ich mich sagen: „Wissen Sie, wir sind nämlich kein Liebenspaar, zumindest noch nicht, und es soll nicht so aussehen, als ob ich… Hätten Sie vielleicht auch ein Zimmer mit getrennten Betten?“

„Ja, freilich!“ erwiderte die Wirtin und ich hätte mich augenblicklich abwatschen können. „Aber nur eines mit Klo am Gang.“ Umso besser, dachte ich! Was gibt es Peinlicheres als Klo Geräusche und Gerüche in der Anbahnungsphase?

So bezog ich also das Zimmer mit den getrennten Betten. Zwei Stunden später war der Ueli da. Drei herrliche Tage verbrachten wir zusammen! Mit Skifahren, Rodeln, romantischen Abendspaziergängen durch das verschneite Zell am See. Und schlaflosen Nächten! Da beobachtete ich den friedlich schlummernden Ueli, lauschte seinen tiefen, regelmäßigen Atemzügen, lag da wie auf (Tannen)nadeln. Und träumte vom Zimmer mit dem Doppelbett.

Ein paar Stunden vor unserer Abreise fragte mich der Ueli: „Du, hast du dir eigentlich erwartet, dass ich, dass wir…?“ Mit Burgtheater-reifer, gleichgültiger Mine erwiderte ich: „Aber geh, NEIN, wo denkst du hin…!“

„Weißt du, ich wollte die Situation nicht ausnützen…!“

Ich auch nicht!

Am Bahnhof verabschiedeten wir uns innig und jeder fuhr seines Weges.

Der Ueli heiratete schließlich eine rassige Venezolanerin. Und ich denke immer wieder gerne und mit einem Schmunzeln an meinen Kavalier Ueli und die drei aufregenden Tage bzw. schlaflosen Nächte im wunderschönen Zell am See zurück.

© Christa