Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum

Den Träumen eines Kindes sind – im Normalfall – keine Grenzen gesetzt. Und in jedem Kind schlummern ungeahnte Talente. Oft ist es das Kind selbst, das dieses lodernde Feuer in sich spürt, manchmal sind es Eltern oder Bezugspersonen, die dieses entfachen, im schlimmsten Fall bleibt es für immer verborgen. In meinem Fall war es eine außergewöhnliche Sportlehrerin, die mein Talent entdeckt, meine Leidenschaft geweckt und mir einen Floh ins Ohr gesetzt hat… und ein Traum war geboren!

In meiner Kindheit und Jugend verfolgte ich mit großem Enthusiasmus alle Leichtathletik Weltmeisterschaften und Olympische Spiele. An einem solchen Event teilzunehmen, wäre ein Traum für mich gewesen. Doch während meiner aktiven Zeit als Leichtathletin musste ich der Schule und mathematischen Formeln, deren Sinn für den Alltag mir bis heute niemand erklären kann, den Vorzug geben, und den Sport und meine Leidenschaft hintanstellen. Irgendwann lag meine Sportlerkarriere endgültig ad acta.

Als ich bereits 32 Jahre alt war, nahm mich ein Jugendfreund zu einem Training für den Jedermann Zehnkampf von Georg Werthner mit. Der Olympia Vierte von Moskau und Organisator des größten Zehnkampfs der Geschichte im Jahr 2000, hatte sich jahrelang mit großem Engagement dafür eingesetzt, diesen wunderschönen Sport für jedermann erlebbar zu machen. Mein 1. Training an jenem Tag war jedoch ein Desaster. Von meiner einstmals so guten Form war nicht mehr viel zu erkennen, in einigen Disziplinen war ich sogar eine ziemliche Null und letztendlich kam ich mir komplett fehl am (Sport)platz vor. Aber aufgeben? Niemals! Also Augen zu und durch. Es kostet mich einiges an Kraft, mich von den Leistungen und mitleidigen Blicken der anderen nicht einschüchtern zu lassen. Erst nach zahlreichen intensiven Trainingseinheiten, viel Schweiß und Tränen, ging es mit meiner Leistung langsam bergauf und zwei Jahre nach meiner ersten Schlappe gehörte ich endlich zu den Siegesanwärterinnen. In den sechs Jahren meiner (zweiten) aktiven Zeit konnte ich zahlreiche Stockerlplätze ergattern. In einigen Disziplinen halte ich nach wie vor den Rekord bei den „Jedermännern“.

Doch das, was diese Jahre so unvergesslich für mich macht, sind diese unendliche Begeisterung und Freude, mit der wir, meine Sportlerkollegen und ich, tagein tagaus gemeinsam trainiert haben, die vielen in dieser Zeit geschlossenen Freundschaften und die tiefe Solidarität, die immer wieder während der zwei anstrengenden Wettkampftage zwischen uns entstanden ist, und… mit welch Glück es einen erfüllt, auf ein Ziel hinzuarbeiten und es schließlich zu erreichen. Nicht jeder kann Olympiasieger werden – dazu sind wir zu viele auf dieser Welt-, aber JEDER kann in seiner kleinen Welt seinen Traum wahr werden lassen. Bei den Olympischen Spielen war ich dann doch noch dabei, in Sydney als Zuschauer, in Athen als Volunteer. Ohne Zehnkampf gäbe es auch meinen Sohn nicht, aber das ist eine andere Geschichte…

© Christa