Trinità peccatrice- sündige Dreifaltigkeit

Wir frohlockten, als sich der Zug nach Rom, sprich in die heiß ersehnte Freiheit, mit uns drei 17-jährigen Schülerinnen in Bewegung setzte.

Wie durch ein Wunder hatte uns unsere gestrenge Oberschwester für Pfingsten einen Aufenthalt im römischen Pendant unserer Schule verschafft.

In Rom angekommen, stellten wir entzückt fest, dass die klösterliche Unterkunft direkt oberhalb der Spanischen Treppe, in Trinità dei Monti lag und wir alle Freiheiten der Welt hatten, außer einer. Um 21 Uhr hatten wieder Zucht und Ordnung zu herrschen und wir in unseren Betten zu liegen.

Was für ein Affront gegen uns, die wir unter schweren Sturm und Drang Symptomen litten!

Der letzte Abend sollte anders verlaufen. Quietschfidel saßen wir auf der Spanischen Treppe, höchst amüsiert über das äußerst fantasievolle Balzverhalten der Italiener. Dieses dürfte bei den Römern anno dazumal auf ihrem Weg über die Alpen auf der Strecke geblieben sein, denn aus Wien war uns derlei unbekannt. Die 21 Uhr Marke näherte sich indes mit Riesenschritten. Verdammt! Diesmal jedoch genügte ein kurzer, konspirativer Blick: „Heute sicher nicht! Die sollen uns gern haben, in dem Kloster!“

Was für ein herrlicher Abend! Die Macht einer italienischen Mama ist allerdings nicht zu unterschätzen und um Mitternacht waren sie fast alle verschwunden, die braven, ihrem Gewissen - und der Mama - folgenden Italiener. In der Zwischenzeit waren dubiose Gestalten aufgetaucht. Es wurde ungemütlich. Ein Grüppchen Polizisten stand gelangweilt herum. Die hatten uns bald erspäht und kamen lässig auf uns. Was wir um diese Zeit eigentlich auf der Straße verloren hätten?

Man hätte uns ausgesperrt, aus dem Kloster, gaben wir kleinlaut zu Protokoll. „Na dann kommt mal mit!“ Sie stapften mit uns die Spanische Treppe hinauf und läuteten Sturm. Die ehrwürdigen Schwestern dachten jedoch nicht im Traum daran, uns schamlosen Geschöpfen Einlass zu gewähren. Bevor wir es uns versahen, fuhren wir auch schon im Polizeiauto Richtung Polizeikommissariat. Dort saßen wir nun unter lauter Kriminellen, Betrunkenen und Rauschgiftsüchtigen. Ein kurzes Telefonat genügte, um die Dienerinnen Gottes zur Raison zu bringen. Zurück beim Kloster wurde das Tor diesmal im Nu geöffnet.

Empfangen wurden wir von einer im äußersten Maße erzürnten Frau Oberschwester: „Nach Rom kommt man, um zu beten, zum Papst und überhaupt… S-C-A-N-D-A-L-E!“

Mit gesenktem Haupt, reumütig und schuldbewusst trabten wir hinter ihr her in unser Zimmer. Wir vermieden es uns anzusehen. Fast wären wir geplatzt. „Und jetzt packt sofort eure Sachen!“

Nachdem die Tür ins Schloss gefallen war, ließen wir uns auf unsere Betten plumpsen und wurden bis in die frühen Morgenstunden von Lachkrämpfen geschüttelt. Zur selben Zeit in Wien kicherte unsere Oberschwester heimlich in ihren Damenbart, als sie über unsere unverzeihliche Schandtat informiert wurde. Manchmal geschehen ja doch noch Zeichen und Wunder! Gott hab sie selig!

© Christa