Maschine BRENNT

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Marion, Etschi, Kamelhaar-Kurti, König, Tiger, Poly, Sputnik ... ihr alle fehlt mir derzeit sehr. Gerade jetzt, wo es immer nur um ein Thema geht. Wo Regeln und Verbote den Tag steuern und wir zu Passagieren gezwungen werden. Überall erhebt sich ein mahnender Zeigefinger und erklärt uns, wie das Leben zu funktionieren hat. Aber sie alle erreichen mich nicht mehr, mit ihren toten Zahlen und düsteren Prognosen.

Wie gut, dass die eigenen Gedanken noch frei sind, sie kann mir niemand verbieten oder gar nehmen. Was ich aber vermisse ist der Widerstand, das Aufbegehren nach Selbstbestimmtheit, nach klarem Denken, nach Leichtigkeit und purer Lebensfreude! Wo sind die Stimmen? Ich höre sie nur schwach, vereinzelt. Es muss auch wieder mal mit dem Bauch gedacht und mit dem Herzen gehandelt werden.

Dank euch - ihr verrückten Lebenskünstler - ist mein Quell der Lebensfreude nicht versiegt und sprudelt so manch gemeinsam erlebte Geschichte bilderreich ans Tageslicht. Mein Herz lacht und ich erinnere mich an unbeschwerte Stunden, die jetzt so gut tun, wie ...

... an einen Spaziergang über die Brooklyn-Bridge, als Marion und ich von einem Frühlingsgewitter überrascht wurden und im Regen stapfend "That's Life" schmetterten ...

... oder als uns in der Lexington Avenue fünf Bodyguards in Shaquille O'Neal-Größe entgegen kamen und den kleinen Sylvester Stallone, samt blutjungem Aufputz, in ihrer Mitte abschotteten. Poly und mir blieb kurz die Luft weg, wir fragten aber dennoch rotzfrech nach einem "picture" und bekamen dies sogar ...

... und an die elitären Feste der Medienbranche, die wir mit gefladerten Einladungen aus der Geschäftsleitungspost beehrten. "Angemessene Kleidung ist erbeten" stand darauf. Sputnik, Kamelhaar-Kurti und ich tauchten dann in 70er Jahre Outfits auf und machten uns über die schwarz gekleideten Rollkragen-Schnösels lustig. Kamelhaar-Kurti sah aus wie der zweite Kassier einer polnischen Geisterbahn und hatte stets seine Teleskop-Gabel mit dabei, mit der er anderen Gästen die besten Stücke vom Buffet wegstibitzte. Wir hatten unseren Spaß, bis wir alle hochkant rausgeschmissen und mit Abmahnungen bestraft wurden ...

Wir sind oft hoch geflogen. Manchmal auch enttäuscht abgestürzt. Doch wir hatten stets diesen besonderen Fallschirm im Gepäck, prall gefüllt mit Lebensfreude, Mut und nie versiegender Zuversicht. Wenn auch jetzt die Maschine brennt, so hört viel mehr auf euer Herz und vertraut nicht blind den Piloten ...

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© Christian Leimer