Mein kleiner Sonnenschein

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Mein kleiner Sonnenschein | story.one

Ich stehe vor meinem Fenster und schaue in den Garten hinaus. Mein Blick wandert zwar über die Felder, wo sich die Raben in einem Meer aus Schneeflocken tummeln, doch ich nehme das alles gerade gar nicht bewusst wahr, denn ich habe nur einen einzigen Gedanken. Heute besucht mich meine wundervolle, bezaubernde, lebensfrohe, liebenswerte, hübsche, schlaue, wilde Nichte Sophie. Jedes Mal, wenn ich an sie denke, sehne ich den Tag herbei, an dem wir uns wiedersehen.

Vor ihrer Geburt konnte ich mir das gar nicht vorstellen, dass ich jemals sofort, ohne vorheriges Kennenlernen, so viel für so ein winzig kleines, wunderbares, unschuldiges, allerliebstes Wesen empfinden kann. Ich war damals sogar eifersüchtig, weil ich befürchtete, dass sich dann alles nur mehr um Sophie drehen würde. Der Neuankömmling steht im Mittelpunkt und Mama und Papa werden Oma und Opa. Für mich war es am Anfang sehr schwer, mit dieser neuen, nie dagewesenen Situation zurechtzukommen. Ich habe mich für meine Horrorszenarien geschämt und war froh, dass niemand in der Lage ist, meine Gedanken zu lesen.

Als ich dann mit Mama und Papa ins Krankenhaus gefahren bin, um unseren Familienzuwachs in ihrem noch so vielversprechenden Leben zu begrüßen, war ich überwältigt. Ich habe Sophie von Anfang an in mein Herz geschlossen. Meine kleine Prinzessin wird im Februar zwei Jahre alt und es ist ein spannendes und hochinteressantes Abenteuer, sie auf ihrem Lebensweg ein Stück zu begleiten. Es gibt nichts Schöneres für mich, wenn sie mich in den Arm nimmt und laut "Tante" jauchzt.

Ich bin zum ersten Mal Tante und hatte bis jetzt keine Vorstellung davon, wie ich in meine Rolle hineinfinden werde. Aber sobald sie strahlt, geht für mich die Sonne auf. Ihr Quietschen, ihre Tanzeinlagen, ihre Plaudereien, ihre Lebensfreude, ihre Liebe, ihre Gelassenheit, ihre Freude, ihre Willenskraft sind so ansteckend, dass sie mich in ihre kindliche Welt voller Frieden und Glückseligkeit hineinzieht. Am liebsten würde ich sie die ganze Zeit halten und knuddeln. Ich bin so gierig nach ihrer Liebe, dass ich sie manchmal einfach mitten im Spiel umarme und küsse. In meinen kühnsten Träumen hätte ich niemals gedacht, dass ich so viel für einen Menschen empfinden kann. Ich liebe sie seit dem Tag, als sie zum ersten Mal ihre wunderschönen blauen Augen geöffnet hat. Meine Liebe zu ihr entstand automatisch, als wäre diese schon immer da gewesen. Ich wünsche mir für meine Sophie das wunderbarste, ereignisreichste, spannendste, erfolgreichste und tollste Leben auf Erden und, dass ihr alle Möglichkeiten offen stehen. Ich möchte immer für sie da sein und sie bei allem so gut ich kann unterstützen. Ich weiß, dass es mir noch schwer fällt, das Richtige zu tun, aber ich bemühe mich sehr, sie vor all den Gefahren (Türstock, Tischdecke, heiße Herdplatte) zu beschützen. Hoffentlich bin ich auch in Zukunft für Sophie eine wichtige Bezugsperson, der sie all ihre Ängste, Sorgen und Geheimnisse anvertrauen kann

© Christina Farthofer 13.12.2019