Geschichte einer Katze

Während ich dies schreibe, sitzt sie auf dem Bürosessel neben mir und schaut mich ganz verliebt an: unsere Minki.

Vor mehr als einem Jahr hat die Geschichte begonnen. Damals kam unsere betagte Nachbarin ins Heim, eine alleinstehende Frau, die nur diese Katze hinterließ.

Ganz so einfach, dass wir sie halt zu uns nahmen, war das allerdings nicht. Minki war sehr scheu.

Zuerst fütterte ich Minki in ihrer vertrauten Umgebung, in der Holzhütte der Nachbarin. Allmählich gelang es mir sogar, sie zu streicheln. Nach einiger Zeit holten wir sie zu uns, wo sie sich scheinbar recht wohl fühlte. Nur unserem Schäfer-Retriever-Mischling Charly stand sie von Anfang an misstrauisch gegenüber.

Doch dann kam das zeitige Frühjahr und unsere neue Katze war leider noch nicht sterilisiert. Wir hielten das Schreien nicht aus und ließen Minki hinaus.

Das war wohl ein Fehler gewesen, denn Minki ward von nun an nicht mehr gesehen. Auch das Futter in der Holzhütte rührte sie nicht mehr an. Erst zwei Wochen später sah ich sie einmal sichtlich hungrig über die Straße laufen. Nun lockte ich sie wieder mit Futter in die Holzhütte. Sie fraß das Futter zwar, aber sie ließ sich nicht wieder blicken. Aber ich hörte sie auf dem Holzhüttenboden rumoren, nur traute ich mich nicht über die morsche Stiege hinauf.

Eines Tages war ich richtig wütend. Ich beschloss, die Hühnertür, durch die Minki ein und aus ging, zu schließen. Dann würde sie der Hunger vielleicht doch wieder zu uns treiben! Doch noch bevor ich mich an der Tür zu schaffen machen konnte, hörte ich hinter mir ein Geräusch. Ich drehte mich um und sah Minki ganz oben auf der Holztreppenstiege sitzen. Ich lockte sie und sie kam mit mir. Nun hatte sie sich wohl entschlossen, bei uns zu bleiben.

Jetzt war sie trächtig. Wir richteten vorsorglich eine Wurfbox her.

Ihre Jungen bekam sie dann direkt neben mir. Wir hatten ja früher schon öfter kleine Kätzchen bekommen, aber so nahe war ich noch nie gewesen. Ich habe auch nicht gewusst, dass Katzen während der Geburt schnurren. Und dass die Pausen zwischen den Geburten so lang waren. Es waren sechs kleine Katzen!

Wir hatten ganz viel Freude mit den kleinen Kätzchen. Hund Charly war allerdings weniger begeistert. Die Kätzchen hätten ihn weniger gestört, die wären durchaus interessant gewesen zum Spielen. Aber Minki war ihm gegenüber so unglaublich aggressiv. Die schmächtige kleine Katze stellte sich vor den großen schwarze Hund hin und pfauchte ihn drohend an! Aber ja – sie musste halt ihre Kinder verteidigen. Das muss man schon verstehen.

Minki war keine autoritäre Mutter. Einmal nahm sie Futter aus dem Futternapf und rief ihre Kätzchen zum Fressen mit einem ganz bestimmten Miauen. Dieses Miauen kannte ich von unserer früheren Katze. Es hieß: He, alle herkommen, es gibt eine Maus! Aber die Kätzchen waren unbeeindruckt. Zum Futternapf konnten sie selber!

Zum Glück haben wir alle Kätzchen gut angebracht. Und mir sind viele schöne Erinnerungen an diese Zeit geblieben!

© Christine Amon