Minki I.

Nie zuvor hatten wir eine solch brave Katze gehabt wie unsere erste Minki!

Morli, unsere damalige Mutterkatze, hatte eine Totgeburt gehabt und sie war unsäglich traurig darüber und schleppte ihr totes Junges den ganzen Tag mit sich herum.

Aber wir wollten eine zweite Katze. Also riefen wir auf einem Bauernhof in unserer Umgebung an, ob sie vielleicht Katzen abzugeben hätten. Die Altbäurin war am Telefon und als wir ihr die Geschichte von Morli erzählten, sagte sie: „Ja, das trifft sich gut! Eine unserer Katzen kriegt dieser Tage ihre Jungen, da könnt ihr eins haben“. So früh? So klein? Zu unserer Katze geben? Milch hatte die ja, aber ob die die fremden Kätzchen annahm? So viele Fragen!„Ja, freilich geht das!“ beruhigte mich die Bäuerin.

Am nächsten Tag war es schon soweit. Mein Mann und die Jungs fuhren auf den Bauernhof, um zwei nackte, blinde Kätzchen abzuholen.

Unsere Morli war überglücklich! Sie nahm die fremden Katzen an, als wäre es ihre eigenen und säugte sie und brachte ihnen alles bei, was Katzenkinder so lernen müssen.

Es waren ein Weibchen, Minki und ein Kater, Tiger. Minki machte erst einen sehr unscheinbaren Eindruck, aber sie wuchs zu einer wunderschönen Katze heran.

Aber das Beste kam erst zum Vorschein, als sie selber Mutter wurde. Inzwischen weiß ich, dass nicht alle weiblichen Katzen glückliche Mütter sind, aber Minki war dieser Rolle von Anfang an voll und ganz gewachsen. Wir hatten eine hohe Kommode, auf der sie sonst nie saß, aber wenn sie Junge hatte, dann war das IHR Platz, denn von dort aus hatte sie den Überblick. Von hier aus überwachte sie ihre Katzenschar, und wehe, wenn eins nicht parierte! Dann setzte es ordentlich was.

Minki war immer eine fleißige Mäusefängerin, aber ganz besonders, wenn sie Junge hatte. Mein Mann hat einmal mitgezählt, als er draußen arbeitete, da brachte sie an einem einzigen Vormittag 10 Mäuse zu ihren Jungen heim.

Einmal bekam Minki nur ein einziges Kätzchen, Cindy. Das schien ihr zu wenig zu sein, weil bereits nach drei Wochen überließ sie Cindy der Obhut von unserem jüngeren Sohn, der zu dieser Zeit mit einer Grippe das Bett hütete und begab sich wieder zu den Katern! Wir waren wirklich ratlos. Was konnten wir tun? Die Pille konnten wir ihr nicht geben, weil Minki noch Cindy säugte.

Natürlich gab es dann gleich wieder Nachwuchs, diesmal waren es fünf. Allmählich gingen uns die Katzennamen aus und wir beschlossen, alle nach österreichischen Politikern zu benennen. Der rote Kater hieß Gusi, die schwarzen Willi und Wolfi. Willi entpuppte sich später als Wilhelmine. Willi war eine besonders lebhafte Katze. Ich habe noch immer ihren empörten Blick vor Augen, wenn sie aus ihrer Schachtel heraus wollte, aber noch nicht alleine konnte: Ja, will mir denn keiner helfen?! - so schien das zu heißen.

Wieder konnten wir alle Kätzchen an einen guten Platz bringen, nur Cindy, die große Katze, haben wir am längsten behalten. Aber schließlich fand auch sie ein neues Heim!

© Christine Amon