Erster Urlaub

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Als meine Eltern unseren ersten Familienurlaub im Lungau planten, war ich damals mit 13 Jahren nicht so besonders erfreut. Endlich waren Ferien und ich wollte lieber mit meinen Freundinnen ins neu eröffnete Leopoldskroner Bad schwimmen gehen.

Die Anreise mit 27 PS starkem VW dauerte viele Stunden, denn die Autobahn gab es damals noch lange nicht. Unser Ziel war der Blasiwirt in Fell im Zederhaustal .

Ich glaube wir waren die ersten Sommergäste, die ein "Fremdenzimmer" bezogen. Hinter dem Wirtshaus war die Kegelbahn, natürlich nicht vollautomatisch. Es hat mächtig gerumpelt, wenn die Kugel über den Bretterboden gesaust ist. Aufgestellt wurden die Kegel von den "Kegelbuam".

Wir hatten im Blasiwirt volle Verpflegung. Nach den Mahlzeiten kam die Köchin mit Schürze in die Gaststube und meinte ob wir wohl satt waren oder ob sie uns einen Nachschlag geben soll. Gegenüber dem Wirtshaus war die Selch und nur der Wirt hatte den Schlüssel.

Die Freunde meiner Eltern wohnten während der Ferien nebenan in einem Privathaus. Dort lebten Mädchen und Buben jeden Alters. Schon im Eingang roch es intensiv nach Schwammerl. Die Pilze wurden von den Frauen geputzt, geschnitten und zum Trocknen im Dachboden gelagert. Ich glaube die Damen waren recht glücklich, wenn mal nichts gefunden wurde.

Die Ausflüge ins hinterste Zederhaustal mit Wanderung auf die Franz Fischer Hütte inklusive Kaiserschmarrn sind mir bis heute in guter Erinnerung. Bei einem Bauern im Talschluss gab es einen zahmen, aber imposanten Hirschen, den wir füttern durften.

Besonders beliebt war der ca. 1 stündige Weg zum schön in einer Waldlichtung gelegenen "Schiefer Bankerl". Leider gibt es dieses Plätzchen nicht mehr, da die Autobahn diese Gegend durchschneidet.

Eines Abends, als sich mein Vater noch in der Gaststube aufhielt, war ich mit meiner Mutter schon im Gästezimmer. Plötzlich hörten wir ein Scharren bei unserem Fenster im ersten Stock. Als meine Mutter mit Haarnetz und Brille das Fenster öffnete, kletterte der geschockte Jüngling rasch die Leiter wieder runter und sauste davon. Wir haben nie erfahren, wem sein nächtlicher Besuch gegolten hat.

Ein besonderer Genuss zum Frühstück waren die am Morgen vom Vater geernteten Erdbeeren. Schmeckten herrlich mit einem Klacks Schlagobers.

Der Urlaub hat mir sehr gut gefallen und ich versprach meinen neuen Freunden, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Wir haben uns übers Jahr Karten und Briefe geschrieben. Im folgenden Jahr wurden unsere Ausflüge nicht nur auf das Zederhaustal beschränkt, sondern wir sind zu weiter entfernten Seen und Almen gewandert.

Viele Jahrzehnte später durfte ich auch meinen Enkelkindern die schönen Plätze meiner Jugend im Lungau zeigen.

© Christl Pitzek 01.12.2019