Arnes Atem

In Gedanken versunken war ich gerade so richtig in Fahrt gekommen. Da bemerkte ich plötzlich, dass ich kaum noch etwas sehe. Also stoppte ich und drehte mich um. Arne begann zu lachen. Er schnallte seine Langlaufskier ab, packte seine Kamera aus und machte ein Foto. Dann musste auch ich lachen.

Man konnte fast von Eisklumpen sprechen, die sich auf meinen Wimpern gebildet hatten. Selbst bei minus achtunddreißig Grad kommt man auf einer Langlauftour ins Schwitzen. Die extreme Kälte besorgte den Rest. Wobei die tief stehende, aber dennoch starke Mittagssonne die Temperaturen an diesem Februartag in Lappland erträglich machte. Und für ein unglaubliches Naturerlebnis sorgte.

Beim Anblick der glitzernden Schneedecke, die einem abseits der Langlaufloipe bis über die Hüfte reichte, lief mir die Gänsehaut über den Rücken. In der Ferne der tief winterlich verschneite Wald. Davor vereinzelte Bäume, die lange Schatten über das Weiß warfen. Und dazu noch diese absolute Stille. Atemberaubend. Bloß, dass meine Sicht nun eben eingeschränkt war.

Die Eisklumpen hafteten fest, waren nicht zu entfernen ohne gleichzeitig Wimpern zu verlieren. Erst Arnes warmer Atem half. Zunächst eine etwas unangenehme Situation, nachdem wir uns erst während unseres Aufenthaltes in Finnland kennengelernt hatten. Die sich jedoch rasch auflöste. Indem Arne erneut zu lachen begann. Woraufhin auch ich wieder lachen musste. Der Beginn einer belgisch-österreichischen Freundschaft.

© Christoph Hellmann