Die Geschichte vom Weihnachtsbaum

Gefunden, gekauft, auf den Balkon gelegt, in den Keller gelehnt, was auch immer, Hauptsache kühl. Ab und zu mit Wasser besprüht, oder gar in einen Wasserkübel gestellt. Frisch und grün soll er bleiben! Da fristet er sein Dasein und wartet auf seinen großen Auftritt, der Weihnachtsbaum.

Heilig Abend. Es ist soweit. In die Stube getragen, vom Netz befreit. Er streckt die Äste, spürt die Wärme. Aufgeregte Menschenhände fummeln an ihm herum. Kugeln, Kerzen, Sterne. Es funkelt. Es glitzert.

Es wird ihm ganz schummrig, dem Weihnachtsbaum. Er schwankt. Menschenhände stützen. Menschenhände richten. Jetzt steht er wieder. Nicht so ganz gerade, aber er steht.

Die Menschen beratschlagen. Sie zupfen und zerren. Sie drehen und schieben. Ganz schön warm wird es dem Weihnachtsbaum. Der Stamm im lauen Wasser, die Äste schwer behangen, so steht er nun da in all seiner Pracht.

Die ersten Nadeln rieseln. Die Menschen stöhnen: „Wie alle Jahr‘, schief, und er nadelt .“ Hektische Hände legen Päckchen unter ihn. Kerzen und Sternspritzer werden entzündet. Das Weihnachtsglöckchen läutet. Er scheint gewonnen, der alljährliche Kampf mit dem Weihnachtsbaum.

Stolz leuchtet in den Menschenaugen, ehrfürchtiges Staunen in den Kinderaugen, da stürmt japsend und springend das von allen heißgeliebte Schoßhündchen herein… Fröhliche Weihnachten allerseits!

© ckd