Schändlich geliebte Illusion

Kahler schwarz ausgelegter Raum. Bar Theke, Barhocker. Christopher und Dominique. Christopher nimmt einen Schluck aus der silberblauen Dose, langsam, genussvoll. Dominique nippt an einem Glas Sekt.

Videoprojektion auf die Wand hinter der Bar, schwarz weiß: Eine Straße, Blickwinkel aus der Sicht eines fahrenden Sportwagens. Am Straßenrand weiß leuchtende undefinierbare Lichtgestalten. Am Ende der Straße ein Spiegel, er kommt näher, beherrscht das Bild, zersplittert mit einem lauten Knall. Ende der Videoprojektion. Stille. Gedämpftes Licht.

Christopher nimmt einen weiteren Schluck, dreht sich langsam um, ein blutiger Kratzer auf der Wange, eine Scherbe demonstrativ in der linken Hand haltend, und diese mit ungläubigem Ausdruck anstarrend. Er steht langsam auf, hält die Scherbe von sich weg, geht ein paar Schritte: „Noch ist es nicht soweit, noch nicht!“ Schleudert die Glasscherbe zu Boden, wischt sich mit dem Handrücken den blutigen Kratzer aus dem Gesicht, streicht sein Haar zurück: „Unerfülltes Begehren, verbotene Sehnsucht, es gilt noch so Vieles zu leben.“

Wendet seinen Blick in Richtung Dominique. Christopher verharrt regungslos. Dominique stellt das Sektglas auf die Bar Theke zurück. Es zerspringt mit einem Knall. Sie wischt mit der linken Hand über die blutende rechte, während sie sich langsam umdreht und aufsteht. Sie schüttelt unmutig den Kopf, streckt sich, fährt sich verführerisch durch ihr langes Haar: „Illusion, schändlich geliebte Illusion. Geisterhaftes Nichts.“ Ihr Blick heftet sich auf Christopher. Sie verharrt regungslos.

Zwei Menschen, zwei Schicksale, eine Leidenschaft: Die Leidenschaft füreinander. Es gäbe noch so Vieles zu leben! Da muss doch mehr sein! Oder doch alles nur Illusion? Christopher!

Kreischende Autoreifen. Eine Stichflamme. Dominique will schreien. Doch es kommt kein Laut aus ihrem weit aufgerissenen Mund. Der Albtraum, er hat sie eingeholt.

Dominique schreckt zurück. Nein! Alles nur ein Albtraum! Gleich würde sie aufwachen… Sie sinkt zu Boden. Ein böser Traum. Alles nur ein böser Traum.

Die Bar. Dominique sitzt alleine vor der Videowand. Diesmal nimmt sie einen zaghaften Schluck aus der silbernen Dose. Das Sektglas bleibt unberührt. Es gäbe noch so Vieles zu leben. Unbändige Wut lässt sie das Sektglas gegen die Wand schleudern. Die Scherben fallen zu Boden. Der Sekt perlt die Wand hinunter. Musik setzt ein, laute, irre Musik.

Dominique steht auf, wirbelt durch den Raum, fällt zu Boden, rappelt sich auf und stürzt aus der Bar. Alles nur schändliche Illusion!

© ckd