Ich, die Rotznase.

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Ich, die Rotznase. | story.one

Ja, ich bin eine. In echt und im übertragenen Sinne.

Die echte zeichnet sich dadurch aus, daß mein Kopf voll mit keimvirenbakterieninfizierter Flüssigkeit ist. Diese Verstopfung im cranialen Bereich (oder auch die sogenannte Schaltzentrale meinereiner) läßt die ihm innenwohnenden Organe angeekelt die Beine hochziehen. Sie versuchen sich an den knöchernen Strukturen der Innenseite meines Schädels festzukrallen um jeglichen Kontakt mit der kontaminierten Flüssigkeit zu vermeiden (pikierte Blicke inklusive). Mein Trommelfell klagt über Druckerhöhung und mault die Eustach´sche Röhre an, endlich Druck abzulassen. Diese wiederum animiert den Gaumen mehr zu schlucken, was aber keinen Druck aus meinem Ohr nimmt, sondern nur mein Gaumenzäpfchen zu Jubelschreien anregt, denn es wird flott auf und ab bewegt. Ein intraorales BungeeJumping quasi.

"Waf ift du denn da...ha...ha...Haaatschiiii?", meine Riechzellen und Geschmacksknospen werden durch plötzliche nasale Wirbelstürme durchgerüttelt. Großes Rätselraten im Geschmackszentrum, denn die Reporter vorort können sich keinen Reim auf die eingehenden Informationen machen. Würde ich meiner Greifhand nicht explizit mit den Augen folgen und diese das Nahrungsmittel mittels Verpackungsscan entziffern, würde mein Magen irgendetwas geladen bekommen. Sprich, würde ich ohne Schauen essen - wie man´s so gerne vor der Glotze tut (schlechte Angewohnheit). Ich würde Gefahr laufen beherzt in den Äscherer zu greifen und mir vermeintliche Chips in den Schlund werfen, die die Konsistenz von Tschikstummeln hätten. Der Magen wundert sich, aber er ist voll - und darum geht´s im Moment.

Sinke ich dann ermattet vom Geschmacksquiz in die Kissen, schrillt plötzlich die Alarmglocke: " Achtung, Achtung, O2-Versorgung unter kritischem Wert. Mund öffnen und verstärkte Luftzirkulation gewährleisten." Eingeschüchtert öffnet sich meine Kinnlade und die Lunge atmet deutlich auf. Das Atemzentrum klopft sich, ob der schnellen Reaktion, auf die Schulter und stellt die Alarmanlage wieder ab. Der offenen Mund zeigt der verstopften Nase und deren Zugängen die belegte Zunge: "Ätsch. Notversorgung. Held."

Die Nase gibt als Antwort nur ein Tröpfchen von sich, deren größeres Ausmaß die Greifhand mittels einer geräuschvollen TaschentuchAttacke zu verhindern weiß.

"Ahhhhh…", seufzt es durch mein Ohr. Das Trommelfell dankt für den Druckabfall, der Mund schließt sich und die Nase nimmt dankbar ein Achterl Luft.

Diese Rotznase wäre nun beseitigt (für einige kurze Augenblicke),aber was ist mit der übertragenen Rotznase?

Die räkelt sich satt, aber keuchend am Sofa und läßt den Liebsten Taschentücher nachladen.

© ClaraDanish 24.11.2019