Diandln, Mentscha, Weiberleit'

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Am Anfang stand die Begriffsverwirrung. Hieß es nun Brechelbad, Badstub’n, Hoarstub’n oder gar Hurstub’n? Was war ein Hoar, was ein Linsat, was ein Weri? Mühsam durchpflügte ich das Dickicht des bäuerlichen Vokabulars - von A bis Z, von Agn bis Zetteln. Meine erste Mission in Sachen Brechelbad führte mich in das hügelige Hinterland des Obertrumer Sees, in Ortschaften, deren Namen ich noch nie gehört hatte: Sprunged, Talacker, Asperting und Innerwall. Dorthin, wo bis in die 1950er Jahre auf jedem Hof ein Brechelbad gestanden war und wo mir jetzt die alten Bauersleut’, die im Austrag lebten, freudig ihre Erinnerungen anvertrauten. Ich sollte aufschreiben, wie es damals zuging beim Brecheln, damit dieses Wissen nicht verloren ginge. Und eine Publikation daraus machen, das sollte ich auch.

„A sauschware Arbeit is’ des g’wen. Da hast ganz schee hinhaun derfn“, erzählte der Röhrmoosbauer, während mir seine Frau mit vor Stolz geröteten Wangen die selbst gesponnenen Leinenballen zeigte, die aus ihrer Schatztruhe geholt hatte. „Zeitig in der Fruah is’ angangen. Bis ’s finster war. Für mi war’s aber trotzdem a Mordsgaudi. Es war’n viele junge Leit’ beinand, und was Besseres zum Essen und Trinken hat’s aa geben – Krapfen und Most.“ Eine weitere, äußerst angenehme Nebenerscheinung: „Die Diandln!“ Da ließ die Tratzerei, also der Schabernack, nicht lange auf sich warten.

Vom Brechelschmieren wusste der Feichtnerbauer zu berichten, von der einmaligen Gelegenheit, „den patscherten Mentschern und denen, die auf der hoakligen Seit’n waren, was z’ Fleiß z'toa.“ Die Griffe der Brecheln wurden an der Unterseite mit Ruß oder Wagenschmiere eingerieben. Die Rache folgte auf dem Fuß. Die Übeltäter wurden ang’rußigt, also mit frischem Ruß aus dem Ofenloch beschmiert oder mit einer zähen Mischung aus Wagenöl und Ruß. Die frivolere Variante war es, das nackte Hinterteil der Hundsbuam anzuschwärzen. Dabei ist damals vermutlich ein ähnliches Gejohle ausgebrochen wie heutzutage beim Auftritt der Chippendales.

Nicht nur für derbe, auch für verhaltene Erotik war im Brechelbad Platz. „Habe an meinen Geliebten gedacht, wünsch’ ihm eine gute Nacht. Geschrieben auf diesem Tram bei Sonnenuntergang“, ritzte eine Magd 1946 in Ermangelung von Smartphone und WhatsApp als Sehnsuchtsbekundung in einen Balken, der bei der Revitalisierung des Brechelbads wieder zum Vorschein kam. Wer das war, daran konnte sich Hans Steiner sen. nicht mehr erinnern. Daran, dass es ihm besonderen Spaß machte, im Brechelbad einzuheizen, allerdings schon noch. „Da hat ma in der Nacht nachlegen miassn und in der Fruah wieda. Zum Schlafen ist trotzdem koa rechte Zeit blieb’n.“ Wieso, konnte ich, die neugierige Städterin, dem alten Paulseppl nicht entlocken. Zum Glück sprang Ehefrau Rosina ein, die sich über soviel Begriffsstutzigkeit nur wundern konnte. „Na, wohin wird er schon gangen sein – zu die Diandln natürlich!“

© Claudia Karner